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Autobahn mit fahrendem LKW
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Logistik: Die Datenautobahn als Vorbild für den Güterverkehr?
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Logistik: Die Datenautobahn als Vorbild für den Güterverkehr?

Laut Professor Dr. J. Rod Franklin wird das Internet den Güterverkehr revolutionieren. Sein Forschungsgebiet: Verbesserung der Lieferketten. 

An die Schnelligkeit des Internets gewöhnt, erwarten mittlerweile Kunden und Konsument auch im realen Leben schnelle Lieferungen bei Warenbestellung. Eine logistische Herausforderung für den Gütertransport. Trotz intelligenter Lieferketten sieht Professor Franklin von der Kühne Logistics University in Hamburg durchaus ein enormes Verbesserungspotential im Transportwesen. Nicht zuletzt auch aus Gründen der Ressourcenschonung. Denn nicht ausgelastete LKWs bedeuten zugleich eine höhere Energie- aber auch Zeit- und Geldaufwendung, da mehrere Fahrten notwendig werden.  

Internetlogik auf reale Transportlogistik übertragen

Zur Verbesserung des Transportwesens möchte Prof. Franklin die Logik des Internets in der Informationsübertragung auf die Transportprozesse in der realen Welt übertragen. Dafür muss die Art und Weise des Transports neu ausgerichtet werden. Damit seine Theorie funktionert, setzt er drei Punkte voraus: 

  • Alle Akteure, die am Lieferprozess beteiligt sind, müssen eine gemeinsame Open System Software nutzen. 
  • Es müssen von verschiedenen Akteuren Transportmittel gemeinsam genutzt werden. 
  • Es müssen kleinere Containerformate bereitgestellt werden, damit die Lieferkette unabhängig vom Transportmittel funktioniert. 

Zur Implementierung dieses realen Netzwerks sollen die künftigen LKW-Fahrer nur noch feste Routen zwischen Logistigstützpunkten fahren. In diesen Stützpunkten werden die Waren für den nächsten, festgelegten Teilabschnitt zwischengelagert, so dass sich dann wieder ein voller LKW auf seine programmierte Route begibt. 

Das Modell könnte langfristig den Verkehr auf den Straßen mindern und Emissionen sowie Kosten reduzieren. Im Gegenzug würden Schnelligkeit, Qualität und Service steigen. Die Umstellung des Prozesses, den Franklin als „Physical Internet“ bezeichnet, funktioniert aber nicht in wenigen Monaten. Bis zum Jahre 2050 gibt der Wissenschaftler an, würde es dauern, das neues System zu implementieren. Bis dahin gilt es elementare Fragen zu klären, wie bspw.:

Haftung – Was passiert, wenn Ware verloren geht? Bei mehreren Akteuren, die am Transport der Ware beteiligt sind, dürfte die Haftungsfrage komplexer werden. Abrechnung – Je mehr Akteure am Transportprozess beteiligt sind, desto schwieriger wird die Kostenaufteilung.  Knotenpunkte – Anders als im Internet, sind reale Umladevorgänge zeitintensiv. Eine Übertragung von dem Medium Internet auf den realen Güterverkehr ist nicht ohne weiteres machbar. 

Alter Hut in neuer Schachtel?

Doch sind die Überlegungen des Wissenschaftlers wirklich so neu? Viele Logistikaspekte gibt es bereits, wie zum Beispiel Kabotageverkehr. Dass ausländische Verkehrsunternehmen Transportleistungen innerhalb eines Landes vornehmen, ist bereits gängige Praxis, insbesondere um Leerfahrten zu vermeiden. Moderne Informationstechnologien wie Zeitfenstermanagementsysteme (ZMS) an Verteilerzentren oder LKW-Abrufsysteme steuern bereits heute die Transporte. Die VTL Vernetzte-Transport-Logistik GmbH mit Sitz in Fulda überträgt Avisierungsdaten der teilnehmenden Partner in ein IT-System ein, um einen besseren Überblick über den LKW-Zulauf und einen optimalen Belegungsplan für die Laderampen zu erhalten.

Andere Einrichtungen forschen auch

Auch andere Akteure haben sich dem Thema intelligente Transportwege wissenschaftlich angenommen. Das EU-Projekt iCargo widmet sich ebenfalls dem Trendthema Transportlogistik. 29 Partner aus Forschung und Entwicklung sowie Logistikunternehmen und öffentliche Einrichtungen arbeiten an einem Informationssystem in der Cloud. Ziel ist zudem die bessere Synchronisation und Frachtauslastung der Transporte. Andere Projekte wie Code24, CityLog, Modulhushca, eCoMove oder CoFRET befassen sich ebenfalls mit den Logistiktrends von morgen. 

Ein Aspekt bleibt bei der ganzen Forschung noch ein wenig unberücksichtigt. Die neuen Möglichkeiten, die sich mittels 3D-Druck eröffnen und Auswirkungen auf die Transportlogistik haben werden. Denn mit der neuen Ära der 3D-Herstellungsverfahren sind Unternehmen künftig in der Lage, bestimmte Waren wie Ersatzteile oder Kleinserien vor Ort zu produzieren. Dadurch werden in Zukunft Transportwege wegfallen und sich das Transportwesen auf jeden Fall verändern.