Driven! Autowelt
Artikelbild BeschreibungVierzylinder im Porsche? Fahrbericht: Der neue 718 Cayman 3697
Artikelbild BeschreibungVierzylinder im Porsche? Fahrbericht: Der neue 718 Cayman 3697
Vierzylinder im Porsche? Fahrbericht: Der neue 718 Cayman
Artikelbild BeschreibungVierzylinder im Porsche? Fahrbericht: Der neue 718 Cayman 3697
Artikel

Vierzylinder im Porsche? Fahrbericht: Der neue 718 Cayman

Ab sofort setzt man im günstigsten Porsche auf vier Töpfe und 2,0 Liter Hubraum. Kann der 718 Cayman mit 300 PS-Turbomotor überzeugen?

Anfangs war ich skeptisch. Ein Porsche mit Vierzylinder und Turboaufladung?

Das hört sich fast nach Traditionsbruch an und ist fast genauso schlimm wie Mini-Vans mit Frontantrieb und einem BMW-Logo. Meine Gedanken gingen zurück zum Porsche Cayman GTS. Eine kleine, kompakte, beinahe radikale Kurvensau mit bestialischem Sechszylinder-Fauchen aus der Sportabgasanlage. Hoch sind dementsprechend die Erwartungen an den neuen Cayman mit dem Zusatz 718.

Porsche 718 Cayman in Miami Blau
Credit: Rosenbach

Ein Traditionsbruch?

Doch an alle, die immer vom „Traditionsbruch“ schreiben: Porsche hat durchaus auch eine Vierzylinder-Tradition. Der erste Porsche 718 rollte bereits 1957 vom Band. Unter der Haube versteckte sich ein 1,5-Liter-Vierzylinder-Boxermotor der 142 PS leistete. Bei einem Fliegengewicht von gerade einmal 530 Kilogramm lag die damalige Höchstgeschwindigkeit bei 260 km/h. Seinerzeit war das beinahe Lichtgeschwindigkeit.

Porsche war so freundlich und hat nach Schweden eingeladen, um die Dynamik des Neuen zu erfahren. Nachdem wir bei DRIVEN! den 718 Boxster S mit Handschaltung gefahren sind, wollten wir wissen was der kleinste Porsche in der Familie so draufhat. Die Farbe? Natürlich Miami Blau. Diese Sonderlackierung ist mittlerweile zu meinem Alltime-Favorite im Farbspektrum der Zuffenhausner geworden.

Der Porsche 718 Cayman in der Launch Control.
Credit: Rosenbach

„Gar nicht mal so verkehrt!“

Mein Modell war mit der optionalen Sportabgasanlage mit schwarzen Doppelendrohren (2.249 Euro) ausgerüstet. In der Basis gibt es nur eine einflutige Anlage. Kurz den Schlüssel – porschetypisch – auf der linken Seite gedreht und der Vierzylinder-Boxermotor meldet sich mit einem sonoren und tiefen Bollern zum Dienst. Erster Gedanke: Gar nicht mal so verkehrt!

Das Porsche Doppelkupplungsgetriebe kostet 2.826 Euro.
Credit: Rosenbach

Schalten ist nur noch etwas für Puristen

Ebenfalls Aufpreis kostet das Doppelkupplungsgetriebe (2.826 Euro). Das verleiht dem Fahrzeug eine ganz andere Charakteristik als die serienmäßige Handschaltung.

Der Knüppel wird mittlerweile ja sowieso nur noch von Puristen gewählt – aus motorsportlicher Sicht ist das PDK nämlich weit überlegen: es schaltet schneller als man das von Hand je könnte und hat immer den passenden Gang parat. Ergebnis: mit Launch Control geht es in 4,7 Sekunden von 0 auf 100 km/h.

DRIVEN!-Redakteur Daniel steuert den 718 Cayman durch den Rundkurs.
Credit: Rosenbach

Passt wie die Faust aufs Auge

Nach einer kurzen Autobahnetappe, die im 718 Cayman übrigens fast genauso komfortabel ist wie in einem 911er, ging es raus auf schwedische Landstraßen. Und da passt der „Porsches Kleinster“ drauf, wie die Faust aufs Auge. Die präzise Lenkung, das straffe und perfekt ausgewogene Fahrwerk und letztlich der Mittlermotor mit einer optimalen Gewichtsverteilung nötigt den Fahrer beinahe dazu jede Kurve im Scheitelpunkt zu treffen. In Sachen Handling macht den Zuffenhausenern schließlich niemand was vor.

Da aber die Bußgelder schon für kleinere Geschwindigkeitsüberschreitungen mehr kosten können als die elektrisch anklappbaren Außenspiegel (297 Euro) aus dem Porsche Katalog, ging die Fahrt geradewegs zum Sturup Raceway in der Nähe von Malmö. Ein kleiner Rundkurs mit vielen Kurven, verteilt auf 2,1 Kilometer Strecke. Der ist ziemlich anspruchsvoll, passt aber zum 718 Cayman wie die Hüte zur Queen.  Nach den ersten Links-Rechts-Kombinationen war sofort klar: Es ist ein Porsche, durch und durch! Er hängt gierig am Gas, baut eine unglaubliche Querbeschleunigung in schnellen Kurven auf und überzeugt mit einer wunderbar dosierbaren Bremse, die auch nach mehreren Runden immer noch kräftig zupackt. Wer es richtig krachen lassen möchte, setzt den Haken in der Ausstattungsliste bei der Porsche-Keramik-Bremse. Kostenpunkt: 7.318 Euro!

Die Streckenführung des Sturup Raceway.
Credit: Rosenbach

300 PS oder lieber 350 PS?

Die journalistische Sorgfaltspflicht verlangt es aber natürlich, auch einmal den 718 Cayman S über den Track zu jagen. Sofort wird klar: das „S“ ist steht für „Sahnehäubchen auf der Kirschtorte“. Alles ein wenig spritziger, dynamischer und schneller. Aber eben nur ein wenig. Die größten Unterschiede merkt man im Drehzahlkeller und im oberen Drehzahlbereich. Hier kann das „S“ mit 50 Mehr-PS und 40 Newtonmeter zusätzlich trumpfen. Während der 300 PS-Cayman aus der engen Kehre raus erst ein wenig Ladedruck aufbauen muss, spurtet der große Bruder ansatzlos vorwärts. Den größten Anteil daran hat der verbaute VTG-Lader (variable Turbinengeometrie-Lader). Dieser sorgt „untenrum“ für einen schnelleren Ladedruckaufbau und ein höheres Drehmoment im oberen Bereich.

Der Porsche 718 Cayman im Rückspiegel.
Credit: Rosenbach

Mehr Spaß, mehr Kosten

Dieses Leistungsplus lässt sich Porsche aber teuer bezahlen. Der Aufpreis für das Kürzel „S“ kostet nämlich knapp 13.000 Euro. Das ist verhältnismäßig deftig, denn der „normale“ 718 Cayman hat einen von lediglich 51.623 €. Damit ist er erstmals günstiger als der 718 Boxster mit Stoffhaube und somit auch finanziell der Einstieg in die Porsche-Welt. Ob sich der Aufpreis zum leistungsstärkeren Modell lohnt, muss jeder für sich selbst entscheiden. Die Unterschiede fallen gefühlt zwar gering aus, sind aber vorhanden. Kernigerer Sound, besserer Durchzug, besserer Charakteristik – alles eben ein wenig besser.

Technische Daten:

Porsche 718 Cayman

  • 2,0 Liter-Boxer-Vierzylinder-Turbomotor
  • 300 PS bei 6.500 U/min
  • 380 Nm bei 1.950 – 4.500 U/min
  • Heckantrieb
  • 7-Gang-Doppelkupplungsgetriebe
  • 1.365 kg Leergewicht
  • 0-100 km/h in 4,7 Sekunden mit Launch Control
  • 0-200 km/h in 17,8 Sekunden
  • Höchstgeschwindigkeit 275 km/h
  • Verbrauch NEFZ: 7,3 Liter (PDK)
  • CO2-Emission 167 g/km

Meine Lieblingsausstattung:

  • Doppelkupplungsgetriebe: 2.826 Euro
  • Sportabgasanlage: 2.249 Euro
  • Porsche Torque Vectoring inkl. Hinterachs-Quersperre: 1.309 Euro
  • PASM Sportfahrwerk: 1.666 Euro
  • Sport Chrono Paket inkl. Mode-Schalter und Sport Response: 2.082 Euro
  • 19-Zoll Cayman S Rad: 1.428 Euro
  • Sonderfarbe Miami Blau: 2.334 Euro
  • LED-Scheinwerfer: 1.975 Euro
  • Sportschalensitze: 3.272 Euro
  • Abstandsregeltempomat: 1.547 Euro
  • Park Assistent: 880 Euro
  • Navi für PCM: 1.547 Euro
  • Burmester-Sound-System: 3.915 Euro

Der Autor reiste auf Einladung des Herstellers.

Außerdem zu diesem Thema: