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Der Supersportwagen-Insider: Auf der Jagd nach dem seltenen Blech
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Der Supersportwagen-Insider: Auf der Jagd nach dem seltenen Blech

Kevin Braun hat neben Indiana Jones den vielleicht besten Job der Welt. Rund um den Globus sucht er die rarsten Kleinode unter den Supersportwagen.

Der Showroom der „Schaltkulisse“ steht einer bis zum Rand mit Gold gefüllten Schatzkammer aus einem Indiana-Jones-Film in nichts nach. Auf überschaubarem Raum sind dort automobile Kostbarkeiten versammelt, die ein Normalsterblicher sonst höchstens beim Autoquartett zu sehen bekommt.

Ein Blick in den Showroom der Schaltkulisse

Einer darf diesen erlesenen Anblick an jedem Werktag genießen: Kevin Braun ist der Herr über die Galerie der Supercars in Ottobrunn bei München. 

Und er „hatte“ sie schon alle: Ob Ferrari LaFerrari, Lamborghini Aventador oder ein Porsche 356 A Coupé von 1959 – fast alles, was die Herzen von Autofans höherschlagen lässt, belegte bereits einen der begehrten Stellplätze in Brauns Showroom.  

Seine Lehrzeit absolvierte Kevin Braun übrigens beim Branchen-Primus „AIL Leasing München“, zu dem er noch heute gute Beziehungen pflegt. Gemeinsam mit AIL-COO Christian Finke hat es sich Braun zur Aufgabe gemacht, Sportwagen- und Oldtimer-Träume wahr werden zu lassen. 

Ein roter Ferrari Enzo im Showroom der Schaltkulisse
Der Ferrari Enzo - ganz nah dran am Firmengründer

Solche Raritäten lassen sich selbstverständlich nur selten auf dem „normalen“ Weg beschaffen. Ganz klar: der Handel mit PS-starken Raritäten ist normalerweise ein äußerst verschwiegenes Geschäft, das über ein verschwiegenes Netzwerk vonstattengeht. Christian Finke und Kevin Braun gewährten DRIVEN! einen exklusiven Einblick in das spannende Geschäft mit den automobilen Kostbarkeiten.

Das Lenkrad Ferrari Enzo

DRIVEN!: Hier scheint sich ja die Creme de la Creme der Supersportwagen sozusagen „die Klinke in die Hand“ zu geben. Verkaufen Sie grundsätzlich alles, was sportlich und exklusiv ist? Oder gibt es Einschränkungen?

Braun: „Schaltkulisse – Sportwagen und Oldtimer“ – der Name spricht eigentlich für sich (lacht). Wir verkaufen alles, mit dem wir uns identifizieren können, das heißt: was besonders ist und eine besondere Geschichte hat – und nicht „von der Stange“ ist. Wir sind allerdings sehr Ferrari-lastig. Unsere Faszination und unser Knowhow ist da am stärksten – und natürlich auch unser Netzwerk. 

DRIVEN!: Was waren bisher die absoluten Highlights im Sortiment?  

Braun (lacht): Ich muss kurz überlegen, wo ich anfangen soll. Man sollte zwischen zwei Bereichen unterscheiden: Da wären zum einen topaktuelle Supersportwagen, die das technisch machbare voll ausreizen. Ich denke natürlich sofort an den LaFerrari, den wir sogar schon zwei Mal verkauft haben. Da sind wir schon beim Nonplusultra im Sportwagen-Bereich.

Der rote Alfa Romeo 6c 1939 von Mussolinis Mätresse
Ein Alfa Romeo 6c 1939 - Ein Geschenk Benito Mussolinis an seine Mätresse

Bei historischen Fahrzeugen können verschiedene Aspekte hochspannend sein – beispielsweise Schönheit oder Geschichte. Aktuell steht hier der ehemalige „Dienstwagen“ der Mätresse von Benito Mussolini - ein Alfa Romeo von 1939. Wir hatten auch schon diverse Ferraris aus den 1960er Jahren. Ein besonderes Highlight war sicherlich ein wunderschön restaurierter Ferrari 275 GTB Short Nose

Nahaufnahme des Cavallino Rampante
Das "Cavallino Rampante" - Ferraris Markenzeichen

"Ferrari - fahrtechnisch das Beste, was der Automobilbereich hergibt!" 

DRIVEN!: Sie sind also ein Stück weit auf Ferrari spezialisiert. Was macht die Boliden aus Maranello so faszinierend?

Braun: Die Faszination „Ferrari“ macht für mich aus, dass es Ferrari bis in die heutige Zeit gelingt, komplett individuelle Autos zu bauen. Sie benutzen keine Plattformen, das heißt die Modelle werden nicht im Baukastenprinzip produziert. Jedes Auto für sich stellt ein neues Highlight an Leistung, Design und Aerodynamik dar – und fahrtechnisch das Beste, was der Automobilbereich hergibt! 

Finke: Ferrari ist eigentlich – wenn man so will - der letzte noch verbliebene Hersteller, der sein Angebot nicht verwässert. Bei Ferrari war kurzzeitig auch der Bau eines Geländewagens nach dem Vorbild des Porsche Cayenne im Gespräch. Gott sei Dank wurde daraus nichts!

Der Innenraum des Ferrari Enzo

"Unsere Autos stammen aus privaten Sammlungen, unserem Netzwerk - aber auch ganz klassisch aus Auktionen." 

DRIVEN!: Der La Ferrari war bereits vor Produktionsbeginn vergriffen. Wie gehen Sie vor, wenn Sie einen beschaffen müssen?

Braun: Das ist komplett unterschiedlich und kommt auf Modell und Kunden an. Wir haben über die Jahre ein Netzwerk etabliert, das auf Nachhaltigkeit beruht. Kunden und Händler vertrauen uns – denn gerade bei Modellen wie dem LaFerrari ist ein vertraulicher Umgang sehr wichtig. Wer auf diesem Markt wild trommelt, der erreicht für seine Kunden eher negative Ergebnisse. Insbesondere Ferrari selbst reagiert da sehr sensibel, was sich negativ auf den Kauf eines weiteren Modells auswirken kann. 

Ein schwarzer Ferrari LaFerrari
Der Ferrari LaFerrari - eine Legende

DRIVEN!: Also muss man sich mit dem begnügen, was der Markt gerade hergibt? Oder könnte ich auch sagen: „ich brauche im nächsten halben Jahr einen LaFerrari“?

Braun: Derzeit ist der limitierte F12tdf extrem nachgefragt. Vor drei Monaten erhielten wir von einem Kunden, der vom Werk kein Auto bekommt einen Suchauftrag. Vor drei Wochen konnten wir den Wagen schließlich beschaffen. Grundsätzlich kann ich bei solchen Autos dem Kunden keine hundertprozentige Zusage geben, dass wir es finden. Ich kann aber versprechen, dass wir das bestmögliche versuchen und eine hohe Wahrscheinlichkeit besteht, dass wir erfolgreich sind. Es ist aber auch nicht unser Anspruch, zu sagen: „wir können alles“ – da sind wir ehrlich genug. Unsere Autos stammen aus privaten Sammlungen, dem genannten Netzwerk - aber auch seltener ganz klassisch aus Auktionen. 

Ein roter Ferrari F50
Eine markante Schönheit: der F50

Finke: Das ist natürlich auch immer eine Frage des Preises. Der F12tdf kostete zwischenzeitlich 900.000 bis 1,1 Millionen. Der Listenpreis lag bei 400.000€. Wenn Sie das Auto kaufen und bei nächster Gelegenheit gleich weiterverkaufen, haben Sie relativ schnell viel Geld gemacht. Aber dann sind sie bei Ferrari gesperrt und bekommen keine Sondermodelle mehr angeboten. 

 

DRIVEN!: Ferrari würde das herausbekommen?

Finke: Ja. Die Gemeinde ist klein. Die Schaltkulisse funktioniert eigentlich ähnlich, wie „mobile.de“ – nur auf extrem hohen Niveau. Einen Überblick über Angebot und Nachfrage haben hier nur sehr wenige Leute - wie etwa der Herr Braun. Er kennt einige Adressen und kennt die Fahrzeuge, die in den Garagen stehen. Bei einer Anfrage kann er sich dann "umhören". Das können nicht viele. 

Braun: Ferrari sieht es nicht so gern, wenn jemand seinen LaFerrari weiterverkauft. So etwas machen wir still und leise über unser Netzwerk. Da dringt nichts nach außen. Man muss in jedem Fall sehen, was der beste Weg ist. 

Der Startknopf des Ferrari Enzo

DRIVEN!: Die Frage: "Ferrari Enzo oder LaFerrari?" Ist unter Autofreunden ja heiß diskutiert. Wie lautet Ihr Favorit?

Finke: Das ist eine Glaubensfrage! Der Enzo steht für absoluten Ferrari-Purismus, während der LaFerrari einen ganz anderen Grad der "Vertechnikung" bietet. Das entspricht natürlich auf der einen Seite dem Zeitgeist. Aber der Enzo ist einfach ein kleines bisschen näher am Firmengründer dran. Er reiht sich nahtlos neben dem F40 und dem F50 ein.

Rückansicht des Ferrari F40
Der legendäre F40 - Enzos letzte Liebschaft

Große Gefühle bei der Schaltkulisse München: "Oldtimer stehen für Leidenschaft."

DRIVEN!: Wie darf man sich Ihren Arbeitsalltag vorstellen? Jetten Sie ständig um die Welt, um an exotischen Plätzen exklusive Autosammlungen zu sichten?

Braun: Ja, Ich bin viel unterwegs. Letztes Jahr war ich beispielsweise in Kalifornien und Japan. Es gibt riesige Sammlungen in Amerika, in Japan und – natürlich im arabischen Raum. 

Bild des Sbarro P4
Der Sbarro P4 - Eine Einzelanfertigung von Franco Sbarro auf Basis des Ferrari 308.

DRIVEN!: Vermutlich ging es um ein ganz bestimmtes Auto?

Braun: In Japan war ich tatsächlich für ein ganz besonderes Auto – dem Ferrari 330 GTC. Manchmal müssen die Details einfach vor Ort geklärt werden. Es handelte sich um einen Kundenwunsch und der Wagen konnte von hier aus nicht final beurteilt werden.

DRIVEN!: Verlässt man sich bei der Beurteilung vor Ort ganz auf seinen Kennerblick? Oder ist auch ein Mechaniker mit dabei?

Braun: Ich sage es mal so: Bei einem Auto im Preisbereich von 800.000 Euro ist es eher peripher, ob ein Benzinschlauch ein wenig undicht ist oder nicht. Man verschafft sich eher einen Gesamteindruck, das heißt: ist der Wagen restauriert? Ist die Basis OK? Passen Motor und Getriebe zueinander? Sollten im Nachhinein noch Reparaturen für 20.000 Euro anfallen, ist das bei einem 800.000-Euro-Auto nicht der entscheidende Faktor. Für die Entscheidung vor Ort zählen letztlich Auge, Erfahrung und Bauchgefühl. Dafür bin ich zuständig.   

Armaturenbrett eines Oldtimers

DRIVEN!: Die Preise für Ferrari und Porsche sind in den letzten Jahren bekanntlich enorm gestiegen - auch für Gebrauchte. Woran liegt das?

Braun: Das hat aus meiner Sicht verschiedene Gründe. Der Hauptgrund ist die große Unsicherheit in der Weltwirtschaft. Das Vertrauen in das Geldsystem und die Politik ist durch diverse Krisen erschüttert. Wohlhabende Menschen fürchten um ihr Geld und verlegen sich folglich auf greifbare Sachwerte – ob im Kunst- oder Immobilienmarkt. Und Autoaffine fügen ihrem Portfolio eben gerne seltene Sportwagen oder Oldtimer hinzu. 

Oldtimer stehen hingegen für Leidenschaft. In einem Auto, das in 300 bis 400 Schritten gebaut wurde steckt weitaus mehr Liebe zu Detail, als in den heutigen Fahrzeugen. 

Roter Ferrari F40

Sportwagen finanzieren? "Herr Braun hat das Auto – wir liefern dann das Geld dazu." 

DRIVEN!: Kommen wir doch mal zum „geschäftlichen” Teil: Muss der Kunde eigentlich den kompletten Kaufpreis sofort bezahlen? Oder gibt es auch andere Möglichkeiten?

Braun: Da gibt es definitiv mehrere Wege, genauer gesagt in der Regel zwei Varianten: Natürlich gibt es Kunden, die ein Auto auch einfach mal „cash“ bezahlen. 

Wir sind aber auch sehr aufgeschlossen, wenn Kunden einen Wagen leasen oder finanzieren möchten. Im gehobenen Preisbereich – beispielsweise bei 1,5 Millionen Euro – will man das Geld, auch wenn man es eigentlich zur Verfügung hätte, oftmals nicht so zwingend binden. 

Ein Lamborghini Countach LP400 Periscopio
Eine Legende der 70er - Der Lamborghini Countach LP400 Periscopio

Da kommt bei uns die AIL, beziehungsweise Herr Finke ins Spiel. So ist es beispielsweise möglich, eine halbe Million anzuzahlen und eine Million zu finanzieren oder zu leasen. Ein lohnendes Investment: in der Regel haben die Renditen in den letzten Jahren den Zinsteil deutlich überstiegen. Gleichzeitig bewahrt man sich Liquidität für andere Projekte. 

"Enzo Ferrari"-Schriftzug im Ferrari Enzo.
Er trägt den Namen des "Herrn".

DRIVEN!: Wie hat sich die Zusammenarbeit mit der AIL ergeben?

Braun (lacht): Ursprünglich dadurch, dass ich während meines Fernstudiums begann, bei der AIL zu arbeiten – diese Tätigkeit hat sich dann intensiviert. Im Laufe der Jahre entstand aber in meinem Kopf immer mehr die Idee zur „Schaltkulisse“ – vor knapp sieben Jahren wurden diese Pläne dann auch Wirklichkeit. Aber die Zusammenarbeit mit der AIL ist immer gut geblieben – und sogar noch besser geworden (lacht). Für uns könnte es keinen besseren Partner geben. Es gibt nicht viele Gesellschaften im Fahrzeugbereich, die sich mit solchen Summen auskennen – und sie auch stemmen können. 

Schriftzug "Nigel Mansell Ferrari F40"
Ein F40 mit prominentem Vorbesitzer

Finke: Mit der Schaltkulisse ist innerhalb von sechs Jahren etwas Beeindruckendes entstanden – da muss man sich nur die hier versammelten Autos ansehen.

Die Verbindung ist für beide seiten lukrativ: Es ist sicher viel leichter, eine Immobilie zu finanzieren, als ein Fahrzeug mit vier Rädern. Da kommen wir ins Spiel. Wir können unkompliziert und auf Augenhöhe mit dem Kunden reden. Herr Braun hat das Auto – wir liefern dann das Geld dazu. 

Ein roter Ferrari 328 GTS

DRIVEN!: Also ein todsicheres Geschäft, wenn man über das entsprechende Fachwissen verfügt?

Finke: Man muss natürlich immer auf den Zustand schauen und die Historie kennen. Aber auch in einem Modellsegment kann es große Unterschiede geben. Es gibt nämlich durchaus auch Oldtimer, die in den letzten Jahren nicht im Wert gestiegen sind. Einen Automatismus nach dem Motto: „Ich habe einen Oldtimer und damit in den nächsten fünf Jahren eine Wertsteigerung von 100 Prozent“ gibt es nicht. 

Eine Detailauffnahme eines der Rücklichter des Ferrari Testarossa
Lenkrad Ferrari 250 GT III

Nur eine Geldanlage? "So ein Auto sollte man aus Leidenschaft kaufen."

DRIVEN!: Die Schaltkulisse bietet ja eine sehr spezielle Dienstleistung. Wie groß ist eigentlich die Nachfrage?

Finke: Deutlich größer, als man vermuten würde. Der F40 und der F50 sind heute extrem begehrt. Das war nicht immer so. Auch den Testarossa wollte über Jahre fast niemand haben. Dementsprechend dümpelte er zwischen 50.000 bis 70.000 Euro. Erst letztes Jahr kam dann plötzlich der Hype: die Testarossas verdoppelten sich von einem Tag auf den anderen auf 120.000 bis 130.000 Euro. 

DRIVEN!: Was wäre denn momentan das beste Investment?

Braun: Das fragen die Kunden auch immer (lacht). Wir sind natürlich keine Hellseher. Der Markt hat seine ganz eigenen Gesetze und entwickelt sich immer wieder in ganz verschiedene Richtungen. In den letzten zwei bis drei Jahren standen die 60er Jahre stark im Fokus, egal ob Porsche, Ferrari oder andere Marken. Im Moment rücken aber jüngere, limitierte Fahrzeuge aus den letzten zehn Jahren und bestimmte Youngtimer verstärkt in den Blickpunkt. Ältere Fahrzeuge hingegen stagnieren etwas. 

Ein Blick in den Showroom der Schaltkulisse

Ich empfehle Kunden, nicht nur aufs Investment zu schauen – so ein Auto sollte man aus Leidenschaft kaufen. Wenn man auf sein Bauchgefühl vertraut und die Rahmenbedingungen stimmen – das heißt eine geringe Stückzahl und eine gewisse Nachfrage, kann man auf lange Sicht auch mit einer guten Rendite rechnen. 

DRIVEN!: Wie wichtig ist eine lückenlose Historie für den Wert des Autos?

Braun: Definitiv sehr wichtig! Natürlich ist das eine Frage des Preises: Ein Kunde, der sich hauptsächlich für die Rendite interessiert legt großen Wert darauf, dass möglichst jeder Tag des Fahrzeugs dokumentiert ist. 

Ein violetter Lamborghini Diablo SE
Der Lamborghini Diablo SE - Ein 525-PS-Schmuckstück

Es gibt aber auch den Kunden, der einen 60er-Jahre-Ferrari einfach schön findet und das Auto auch fahren will, selbst wenn es mal einen Steinschlag abbekommt. Da dürfen dann auch mal 20 Jahre der Wagen-Historie im Dunkeln liegen. Man kann nicht pauschalisieren. Es gibt Kunden, die nur ein perfekt restauriertes Fahrzeug wollen, während andere auch mit einer Falte im Sitz leben können – es ist schließlich ein altes Auto.

Aber klar: die höchsten Preise werden für sehr, sehr gut restaurierte – im besten Fall originale – Autos mit perfekter Historie bezahlt.

Ein roter Ferrari 250 GT Drogo
Ferrari 250 GT Drogo - eine seltene Spezialanfertigung

DRIVEN!: Die Frage, ob Komplettrestaurierung oder Originalzustand ist ja ein Reizthema bei Oldtimerfreunden.

Finke: Da scheiden sich die Geister. Viele Kunden erwarten, dass sie einsteigen, den Schlüssel umdrehen und der Wagen anspringt. Das ist nicht einmal bei einem nagelneuen Ferrari gegeben – wenn der fünf Wochen steht, springt er nicht mehr an. In modernen Autos stecken nämlich deutlich mehr „Stromzieher“: Alarmanlage, GPS, und so weiter. Man sollte an einen Oldtimer keine Anforderungen stellen, die nicht einmal ein „Neuer“ erfüllen kann. 

Für mich darf ein Oldtimer ruhig auch „alt“ sein: er darf nach Benzin riechen und darf auch gerne beim Anspringen etwas haken. Aber natürlich sollen mir beim Einsteigen nicht gleich die Motten entgegenkommen (lacht).

"Der Kauf eines Autos für eine oder zwei Millionen Euro lässt sich nicht rein logisch begründen."

DRIVEN!: Ein Verkäufer exklusiver Sportwagen muss sicherlich selbst ein leidenschaftlicher Auto-Fan sein. Was ist eigentlich Ihr absolutes Lieblingsauto, Herr Braun?

Braun: Mein Lieblingsauto ist ganz klar der Ferrari 250 GT Berlinetta SWB aus den 60er Jahren! Leider haben wir den noch nicht gehabt. Mittlerweile müsste man für diesen Wagen allerdings auch sieben bis zehn Millionen Euro hinblättern. 

Der Seitenspiegel eines Ferrari F40

DRIVEN!: Wie überzeugt man einen unentschlossenen Kunden, eine Million für ein Auto auszugeben? 

Braun: Ich erkläre dem Kunden die Vorteile – entscheidend ist aber letztlich sein Enthusiasmus. Ich werde einen Blumen-Liebhaber niemals überzeugen können, einen Ferrari zu kaufen. Der Kauf eines Autos für eine oder zwei Millionen Euro lässt sich auch rein logisch gar nicht begründen. 

DRIVEN!: Herr Braun, Herr Finke, wir danken für das Gespräch!