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Kevin Braun vor einem Ferrari Enzo in der Schaltkulisse München
Kevin Braun vor einem Ferrari Enzo in der Schaltkulisse München
Kevin Braun: Der Supercar-Insider
Kevin Braun vor einem Ferrari Enzo in der Schaltkulisse München
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Kevin Braun: Der Supercar-Insider

Nach Indiana Jones hat Kevin Braun den spannendsten Job der Welt: Rund um den Globus macht er Jagd auf seltene Supersportwagen.

Der Ferrari LaFerrari Spider wurde bislang noch nicht einmal offiziell vorgestellt. Aber er ist trotzdem schon lange ausverkauft. Unter den namhaften Sportwagenbauern ist es nämlich üblich, immer wieder ganz besondere Modelle in Kleinstserien zu bauen, die dann nur die treuesten unter den treuen Kunden kaufen dürfen. Und wenn diese Auto dann auch noch von Filmstars oder Rennfahreren gefahren werden, können daraus echte Legenden werden, wie etwa die "25 million dollar lady"

Aber wie kommt man an solche Sammlerstücke? Der Handel mit Supercars ist ein sehr verschwiegenes Geschäft: Ferrari und Co. sehen es nämlich gar nicht gerne, wenn die "auserwählten" Kunden, die tatsächlich eines der besonderen Prachtstücke zum Listenpreis bekommen, diese dann gleich mit sattem Gewinn weiterverscherpeln. Daher bewegen sich Supercar-Händler meist in einem diskreten Netzwerk von Autosammlern. Kevin Braun, Chef der "Schaltkulisse", und Christian Finke vom starken Partner "AIL Leasing München" gewährten DRIVEN! einen exklusiven Einblick in dieses spannende Geschäft.

"Ferrari - fahrtechnisch das Beste, was der Automobilbereich hergibt!" 

DRIVEN!: Verkaufen Sie grundsätzlich alles, was sportlich und exklusiv ist? Oder gibt es Einschränkungen?

Braun: „Schaltkulisse – Sportwagen und Oldtimer“ – der Name spricht eigentlich für sich (lacht). Wir verkaufen alles, mit dem wir uns identifizieren können, das heißt: was besonders ist und eine besondere Geschichte hat – und nicht „von der Stange“ ist. Wir sind allerdings sehr Ferrari-lastig. Unsere Faszination und unser Knowhow ist da am stärksten – und natürlich auch unser Netzwerk. 

 

Nahaufnahme des Cavallino Rampante

DRIVEN!: Sie sind also ein Stück weit auf Ferrari spezialisiert. Was macht die Boliden aus Maranello so faszinierend?

Braun: Die Faszination „Ferrari“ macht für mich aus, dass es Ferrari bis in die heutige Zeit gelingt, komplett individuelle Autos zu bauen. Sie benutzen keine Plattformen, das heißt die Modelle werden nicht im Baukastenprinzip produziert. Jedes Auto für sich stellt ein neues Highlight an Leistung, Design und Aerodynamik dar – und fahrtechnisch das Beste, was der Automobilbereich hergibt! 

Finke: Ferrari ist eigentlich der letzte noch verbliebene Hersteller, der sein Angebot nicht verwässert. Bei Ferrari war kurzzeitig auch der Bau eines Geländewagens nach dem Vorbild des Porsche Cayenne im Gespräch. Gott sei Dank wurde daraus nichts!

Ein Ferrari Enzo im Showroom der Schaltkulisse münchen
Der Ferrari Enzo - ganz nah dran am Firmengründer

Das geheime Netzwerk der Schaltkulisse München

DRIVEN!: Der LaFerrari war bereits vor Produktionsbeginn vergriffen. Wie gehen Sie vor, wenn Sie einen beschaffen müssen?

Braun: Wir haben über die Jahre ein Netzwerk etabliert, das auf Nachhaltigkeit beruht. Kunden und Händler vertrauen uns – denn gerade bei Modellen wie dem LaFerrari ist ein vertraulicher Umgang sehr wichtig. Wer auf diesem Markt wild trommelt, der erreicht für seine Kunden eher negative Ergebnisse. Insbesondere Ferrari selbst reagiert sehr sensibel, wenn so ein exklusives Prachtstück weiterverkauft wird. Das kann sich negativ auf den Kauf von weiteren Modellen auswirken. 

showroom schaltkulisse münchen
Der Seitenspiegel eines Ferrari F40

DRIVEN!: Also muss man sich mit dem begnügen, was der Markt gerade hergibt? Oder könnte ich auch sagen: „ich brauche im nächsten halben Jahr einen LaFerrari“?

Braun: Grundsätzlich kann ich bei solchen Autos dem Kunden keine hundertprozentige Zusage geben. Ich kann aber versprechen, dass wir das bestmögliche versuchen und eine hohe Wahrscheinlichkeit besteht, dass wir erfolgreich sind. Es ist aber auch nicht unser Anspruch, zu sagen: „wir können alles“ – da sind wir ehrlich genug. Unsere Autos stammen aus privaten Sammlungen, dem genannten Netzwerk - aber auch seltener ganz klassisch aus Auktionen. 

Ein Lamborghini Countach LP400 Periscopio
Eine Legende der 70er - Der Lamborghini Countach LP400 Periscopio

DRIVEN!: Die Frage: "Ferrari Enzo oder LaFerrari?" ist unter Autofreunden ja heiß diskutiert. Was sagen Sie dazu?

Finke: Das ist eine Glaubensfrage! Der Enzo steht für absoluten Ferrari-Purismus, während der LaFerrari einen ganz anderen Grad der "Vertechnickung" bietet. Aber der Enzo ist einfach ein kleines bisschen näher am Firmengründer dran. Er reiht sich nahtlos neben dem F40 und dem F50 ein.

Ferrari F50
Eine markante Schönheit: der F50

"Oldtimer stehen für Leidenschaft."

DRIVEN!: Wie darf man sich Ihren Arbeitsalltag vorstellen? Jetten Sie ständig um die Welt, um an exotischen Plätzen exklusive Autosammlungen zu sichten?

Braun: Ja, ich bin viel unterwegs. Letztes Jahr war ich beispielsweise in Kalifornien und Japan. Es gibt riesige Sammlungen in Amerika, in Japan und – natürlich – im arabischen Raum. 

Sbarro P4
Der Sbarro P4 - Eine Einzelanfertigung von Franco Sbarro auf Basis des Ferrari 308.

DRIVEN!: Die Preise für Sondermodelle von Porsche und Ferrari sind in den letzten Jahren enorm gestiegen. Woran liegt das?

Braun: In wirtschaftlich unsicheren Zeiten fügen Autoaffine ihrem Portfolio eben gerne seltene Sportwagen oder Oldtimer hinzu. Solche Autos stehen einfach für Leidenschaft. In einem Auto, das in 300 bis 400 Schritten gebaut wurde, steckt weitaus mehr Liebe zum Detail, als in den heutigen Fahrzeugen. 

Sportwagen finanzieren? "Herr Braun findet das Auto – wir liefern dann das Geld dazu." 

DRIVEN!: Kommen wir doch mal zum „geschäftlichen” Teil: Muss der Kunde eigentlich den kompletten Kaufpreis sofort bezahlen? Oder gibt es auch andere Möglichkeiten?

Wir sind auch sehr aufgeschlossen, wenn Kunden einen Wagen leasen oder finanzieren möchten. Es ist beispielsweise möglich, eine halbe Million anzuzahlen und eine Million zu finanzieren oder zu leasen. Da kommt bei uns dann die AIL, beziehungsweise Herr Finke, ins Spiel. 

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Finke: Die Verbindung ist für beide Seiten lukrativ: Es ist nämlich viel leichter, eine Immobilie zu finanzieren, als ein Fahrzeug mit vier Rädern. Das machen Banken ungern, weil sie davon oft nichts verstehen. Da kommen wir ins Spiel. Wir können unkompliziert und auf Augenhöhe mit dem Kunden reden. Herr Braun findet das Auto – wir liefern dann das Geld dazu. 

Schriftzug "Nigel Mansell Ferrari F40"
Ein F40 mit prominentem Vorbesitzer

DRIVEN!: Was wäre denn momentan das beste Investment?

Braun: Ich empfehle Kunden, nicht nur aufs Investment zu schauen – so ein Auto sollte man aus Leidenschaft kaufen. Wenn man auf sein Bauchgefühl vertraut und die Rahmenbedingungen stimmen – das heißt eine geringe Stückzahl und eine gewisse Nachfrage, kann man auf lange Sicht auch mit einer guten Rendite rechnen. 

Rückansicht Ferrari F40
Der legendäre F40 - Enzos letzte Liebschaft

DRIVEN!: Wie überzeugt man einen unentschlossenen Kunden, eine Million für ein Auto auszugeben? 

Braun: Ich erkläre dem Kunden die Vorteile – entscheidend ist aber letztlich sein Enthusiasmus. Der Kauf eines Autos für eine oder zwei Millionen Euro lässt sich auch rein logisch gar nicht begründen. 

DRIVEN!: Herr Braun, Herr Finke, wir danken für das Gespräch!