Driven! Autowelt
Artikelbild BeschreibungSpaßkauf?: Deshalb zahlt man 1000 Dollar für einen Tesla an3570
Artikelbild BeschreibungSpaßkauf?: Deshalb zahlt man 1000 Dollar für einen Tesla an3570
Experteninterview: "Tesla Model 3: Das wird für Furore sorgen!"
Artikelbild BeschreibungSpaßkauf?: Deshalb zahlt man 1000 Dollar für einen Tesla an3570
Artikel

Experteninterview: "Tesla Model 3: Das wird für Furore sorgen!"

DRIVEN! zeigt im zweiten Teil des Interviews mit Top-Expertin Monika Haase die Vor- und Nachteile der Elektromobilität.

Kaum ein Thema wir zurzeit so leidenschaftlich diskutiert, wie die Elektromobilität.

Frau Dipl.-Ing. Monika Haase war lange Jahre in führenden Positionen in der Automobilbranche tätig. Im Jahr 2009 machte sich als unabhängige Automobilberaterin selbstständig.

Damit gehört sie zu den wenigen Experten, die einen neutralen Blick auf das Thema E-Autos werfen können – und vor allem die praktischen Vor- und Nachteile klar benennen.

DRIVEN: Fr. Haase, was halten Sie denn ganz allgemein von „der Elektromobilität“?

Monika Haase: Ich bin begeistert! Und ich finde es schade, dass das Thema noch ausgebremst wird, seitens der Automobilindustrie, die vorrangig immer noch Diesel- und Benzinfahrzeuge verkaufen will.

Ein Meilenstein wurde aber bereits gesetzt, indem die Regierung das Förderprogramm für E-Autos gestartet hat. 4.000 Euro für Elektrofahrzeuge und 3.000 Euro für Hybride.

Artikelbild 3571
Credit: Knipping Pictures

Wer sind Ihrer Meinung nach denn die Vorreiter der Elektromobilität?

Nissan macht das jetzt schon seit 2012, Toyota genauso. Da wird es jetzt langsam auch Zeit für unsere deutschen Hersteller. Sie sollten mal Gas zu geben und den Verbrauchern vermitteln, dass sie bereits coole e-Fahrzeuge im Angebot haben. Und auch in Sachen Reichweite können sie den Bedarf längst abdecken.

Diejenigen, die immer noch glauben, dass ihnen die Reichweiten nicht ausreichen, werden staunen, was ihnen da in den nächsten 1-2 Jahren geboten wird. Der E-Golf wurde ja schon für Ende des Jahres mit 400 Kilometer Reichweite angekündigt. Tesla hat als Massenprodukt das Model 3 für 2018 vorgestellt, ebenfalls mit einer Reichweite von ca. 400Kilometern.

Was raten Sie Personen, die sich ein E-Auto kaufen möchten? Für wen hätte das besonders viele Vorteile?

Die Vorteile für das aktuelle e-Auto Angebot – rein Elektro oder Hybride – liegen definitiv bei den Pendlern. Der deutsche Pendler hat im Durchschnitt 10 – 50 Kilometer Dienstfahrstrecke. Diese Strecke kann man wunderbar mit E-Autos oder Hybriden abdecken.

Vor allem wenn man viele Kurzstrecken fährt. Einkaufen oder die Kinder mal schnell in die Schule oder zum Sport fahren kann man wunderbar mit einem Stromer. Da kommen die Vorteile klar zum Tragen: Zunächst haben wir weniger CO2-Belastung für die Umwelt, entspanntes Fahren ohne Lärm und geringere Lärmbelästigungen für die Ortschaften. Bedenken Sie, wie viel teure Umgehungsstraßen wir uns damit in Zukunft sparen können!

Artikelbild 3572
Credit: Knipping Pictures

"Österreich und Schweiz sind Vorreiter"

DRIVEN: Allerdings bleibt das Problem, dass es immer noch viel zu wenig Ladesäulen gibt.

Monika Haase: Wir Menschen sind bequem geworden! Ich kann in das Auto steigen und losfahren, egal ob der Tank voll oder fast leer ist, denn überall ist eine Tankstelle. Da ist der Umstieg auf ein E-Auto anfangs natürlich eine nicht zu unterschätzende Umstellung. Man muss seine Fahrten planen.

Unsere Nachbarländer Österreich und die Schweiz haben es aber bereits wunderbar geschafft, Ladestationen flächendeckend aufzubauen. Ich persönlich war dort mit einem E-Golf mit einer Reichweite von 200 – 300 Kilometern unterwegs. Es gibt ausreichend Schnellladestationen, wenn sie nicht gerade besetzt sind. Da konnte ich innerhalb von 12 Minuten vollladen.

Ein Stopp an der Zapfsäule mit Kaffeepause dauert auch nicht viel länger. Wir dürfen da von unseren Nachbarn lernen. Wichtig ist aber auch das Umdenken im Kopf. Definitiv besteht Handlungsbedarf seitens der Regierung mit zusätzlichen Förderprogrammen, aber auch bei den Verkäufern der Automobilindustrie!

 

Artikelbild 3573
Credit: Tesla

Wie würden Sie persönlich Tesla bewerten?

Ich bin mehr als nur begeistert! Ich habe derzeit viele Kundenanfragen, die sich von mir bezüglich Model S und Model X beraten lassen möchten. Wenn Elon Musk seinen Zeitplan mit dem Massenprodukt Model 3 einhält, dann wird das in Europa für Furore sorgen.

Die erste Jahresproduktion ist bereits vergriffen. Wer jetzt bestellt, muss bis 2019 mit der Lieferung des Schätzchens warten. 400.000 Bestellungen liegen bei Tesla bereits vor.

"400.000 Bestellungen und 1.000 Dollar Anzahlung"

DRIVEN: Jeder der 400.000 Bestellungen musste eine Anzahlung von 1.000 Dollar leisten. Was halten Sie davon?

Monika Haase: Das ist ein spannender Wert, wenn man mal das freie Kapital betrachtet. Ich hatte bereits viele Gespräche mit Vorbestellern. Aus meiner bescheidenen Recherche hat sich ergeben, dass ca. 20% der Bestellungen einfach nur aus Neugierde getätigt wurden. Einfach, um bei diesem Hype dabei zu sein. Und um zu sehen, was nun im Markt zum Thema e-Mobilität passieren wird. Es gibt unglaublich viele innovative Menschen, die das Geld haben, sich diesen Spaß zu erlauben, zu bestellen. Rein aus Neugierde gegenüber dem Produkt. Falls es nicht so sein sollte, wie erhofft, hat man jederzeit ein Rücktrittsrecht. Das ist cool und bietet einen neuen Beteiligungsmarkt, statt nur Aktionäre.

DRIVEN: Würden Sie sich ein E-Auto kaufen?

Monika Haase: Ich beschäftige mich gerade damit. Ein BMW i3 kommt für mich nicht in Frage, obwohl ich bekennende BMW-Liebhaberin bin, da die Reichweite für meine Bedürfnisse nicht ausreichend ist.

Ich warte auf den E-Golf mit 400 Kilometern Reichweite. Auch Mercedes interessiert mich. Hier wurde ein Modell mit 500 Kilometern Reichweite angekündigt. Letztendlich ist aber der Kaufpreis für mich entscheidend, deshalb kommt Teslas hochpreisiges Model S auch nicht in Frage. Ich fahre teils weitere Strecken – und da sind nur E-Autos mit weit über 300 Kilometern Reichweite interessant. Außerdem möchte ich nicht mehrmals auf der Strecke „tanken“ müssen und auch nicht nur mit 100 km/h auf der Autobahn fahren. Idealerweise möchte ich immer an meinem Ziel Strom tanken, da, wo das Fahrzeug sowieso steht und während meiner Termine parkt. Für die nächste Leasingperiode wird das nächste Auto definitiv ein Elektroauto.