Driven! Autowelt
Haibike SDuro Allmtn Pro auf dem Knottnkino.
Driven!-Redakteur Daniel mit Haibike SDuro Allmtn Pro
Der Tesla unter den E-Bikes: Haibike SDuro Allmtn Pro im Test
Haibike SDuro Allmtn Pro auf dem Knottnkino.
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Der Tesla unter den E-Bikes: Haibike SDuro Allmtn Pro im Test

Eigentlich testen wir ja Autos, doch das Haibike SDuro Allmtn Pro ist so besonders, dass wir einfach nicht wiederstehen konnten.

Ja, ihr habt richtig gelesen. Ein Fahrbericht über ein Fahrrad in einem Automagazin - das ist ja ungefähr so wie Sportwagentouren im Gelände. Und Nein, man hat uns nicht den Führerschein entzogen! Aber letztlich muss auch ein Auto-Redakteur hin und wieder etwas Sport treiben und seine Komfort-Zone mit Sitzheizung, adaptiven Tempomat und Massagensitzen verlassen. Aber wenn wir schon ein Fahrrad testen, dann bitte den Range Rover unter den Zweirädern. In diesem Falle ist es das Haibike SDuro Allmtn Pro.

Driven!-Redakteur Daniel mit dem Haibike auf einem  Dodge RAM 1500.
Driven!-Redakteur Daniel mit dem Haibike auf einem Dodge RAM 1500. Foto: Rosenbach

Wenn der Postbote um Hilfe bittet

Ich muss gestehen: Ein bisschen aufgeregt war ich schon - und die Vorfreude stieg von Tag zu Tag. Wenn man sonst mit Fahrzeugen wie dem Porsche 911 Turbo S oder der Dodge Charger Hellcat zu tun hat, ist ein E-Bike eine willkommene Abwechslung. Als der Postbote verzweifelt an die Tür klopfte und mühsam ein riesiges Paket in die Redaktion trug (ich musste ihm ein wenig helfen), wusste ich, dass es endlich so weit war. Das Auspacken fühlte sich an wie Weihnachten und Geburtstag zugleich. Was für ein Prachtstück auf zwei Rädern mit Pedalen! Leider war der Tag der Ankunft sehr verregnet. Die erste Probefahrt musste also erstmal verschoben werden und das Bike wurde standesgemäß auf die Ladefläche eines Dodge Rams gewuchtet. Ich hatte aber noch viel vor!

Das Haibike SDuro Allmtn Pro auf dem Knottnkino.
Das Haibike SDuro Allmtn Pro auf dem Knottnkino. Foto: Rosenbach

Mit dem Haibike zum Fahrrad-Alphatier

Am nächsten Tag der erste Test. Batterie ist vollgeladen, die Elektrounterstützung auf höchster Stufe - und ab auf den Sattel. „Ach du schei…!“ beschreibt wohl am besten meine Reaktion, als ich zum ersten Mal in die Pedale haute. Die mühelose Beschleunigung des Bikes ist zunächst sehr ungewohnt -  aber bald stellt sich ein chronisches Dauergrinsen ein: Man ist mit dem Haibike wirklich die Übermacht im Fahrrad-Verkehr. Vergleichbar mit dem Gefühl, die linke Spur der Autobahn dauerhaft im Porsche zu besetzen. Man ist das Fahrrad-Alphatier. Schnell wird jedoch klar, dass das Haibike zu höherem bestimmt ist, als nur auf dem Fahrradweg mitzufahren. Außerdem werden die verdutzten Blicke der anderen Fahradfahrer schnell zur Qual. Wer einmal in einem McLaren saß, weiß, wovon ich spreche.

Der Bordcomputer zeigt Geschwindigkeit und die Modi an.
Der Bordcomputer zeigt Geschwindigkeit und die Modi an. Foto: Rosenbach

Elektrische Reichweite bis zu 170 Kilometer

Der Plan: Ein Wochenendtrip in Südtirol! Das Umland von Meran eignet sich hervorragend für Fahrradtouren und ist bekannt für seine Vielfalt an Trails. Der erste Halt ist die Bergstation „Meran 2000“. Über eine wunderschöne Serpentinenstrecke erreicht man die die Station Falzeben. Während hier 90 % die Seilbahn nutzen, um die Bergstation zu erreichen, mache ich mich auf einen 1 ½ stündigen Weg zum Aussichtspunkt, der 2000 Meter hoch gelegen ist. Erst in diesem unwegsamen und steilen Terrain kann man das gesamte Potenzial des Super-Bikes erfahren. Scheinbar mühelos kann jedes Hindernis erklommen werden. Trotzdem kommt ab und zu ein schlechtes Gewissen auf, wenn man die neidische Blicke all derer sieht, die ohne elektrische Unterstützung unterwegs sind. Auf dem Display am Lenkrad kann man die Stärke der Unterstützung in verschiedenen Modi einstellen. Zur Wahl stehen Eco+ (170 km), Eco (130 km), Std (85 km) und High (70 km).  Ein technisches Highlight ist auch das vollautomatische Fahrwerk namens „e:i Schock“ - vergleichbar mit einem adaptiven Fahrwerk beim Auto. In der Praxis funktioniert das wunderbar. Im Automatik-Modus passen sich die Dämpfer innerhalb von Millisekunden an die Fahrbahn an. Außerdem steht der Modus „Open“ zur Wahl. Dieser öffnet die Dämpfer und gewährleistet maximalen Federweg im Gelände. Auch ist es möglich, die Dämpfer für den normalen Alltagsgebrauch komplett zu sperren.

Der Akku am Rahmen ist abnehmbar und ist in vier Stunden geladen.
Der Akku am Rahmen ist abnehmbar und ist in vier Stunden geladen. Foto: Rosenbach

Ein absoluter Kurvenräuber

Vor allem bei der Abfahrt machen sich die Qualitäten des Allmtn Pro bemerkbar. Mit einem Druck aufs Lenkrad kann man den Sattel hydraulisch verstellen und so je nach Bedarf höher oder tieferstellen ohne vom Rad steigen zu müssen. Und das Bike verschafft dem Fahrer Sicherheit - besonders auf verwinkelten Streckenabschnitten. Hier lässt sich das Rad wirklich punktgenau in die Kurve zirkeln und überzeugt mit seiner hervorragenden Agilität. Dies jedoch auf Kosten der Souveränität bei höheren Geschwindigkeiten. Die etwas schwach profilierten Reifen haben großen Anteil am idealen Handling, sind jedoch im harten Gelände etwas überfordert.

Die Gabel federt bei Bedarf alle Unebenheiten sauber weg.
Die Gabel federt bei Bedarf alle Unebenheiten sauber weg. Foto: Rosenbach

Zu viel Power, zu wenig Traktion

Dies zeigt sich vor allem bei meiner zweiten Anlaufstelle – dem Knottnkino - bekannt für ein überragendes Panorama und 1.417 Meter hoch gelegen. Das ist besser als jeder Kinofilm. Ein absoluter Geheimtipp! Gestartet wird die Tour vom „Gasthof Alpenrose“ aus. Die Strecke ist kurz, aber steil. Auf einigen schlammigen Teilen des Trails kommt das Bike schnell an die Grenzen seiner Traktion. Da hilft auch die starke Unterstützung des Yamaha-Motors bei höheren Trittfrequenzen in niedrigen Gängen nichts mehr. Bei der Abfahrt überzeugen wiederum die gut dosierbaren Bremsen, die auch bei längeren, steilen Hängen nicht an Kraft verlieren.

Die Bremsscheiben des Allmtn Pro packen bissig zu.
Die Bremsscheiben des Allmtn Pro packen bissig zu. Foto: Rosenbach

Ein teures Vergnügen, das sich lohnt!

Das Haibike SDuro Allmtn Pro überzeugt vor allem mit seinem Komfort im Gelände und seinen technischen Features, sowie der guten Verarbeitungsqualität. Wer jedoch Wert auf maximale Trail-Performance legt, der wird sich wohl bei diesem Modell an der kompakten Geometrie und der eher für durchschnittliches Gelände ausgelegten Ausstattung stören. Im Großen und Ganzen jedoch gefällt das Bike auf Anhieb und man möchte es im Alltag nicht mehr missen. Ob der saftige Preis von 4.999 Euro das aber Wert ist, muss jeder für sich selbst entscheiden. Ich bin jedenfalls restlos begeistert - auch wenn mir eins der wenig hochwertigen Plastikpedale bei intensiverer Belastung gebrochen ist.

Ausstattung Haibike SDURO AllMtn Pro 2016

Federgabel: RockShox Pike DualPosition RC
Dämpfer: RockShox Monarch e.i Auto
Motor: Yamaha Mittelmotor 250W
Batterie: Yamaha Akku 400 Wh
Bremsen: Magura MT4 180/180
Schaltung: Shiamno XT 10-fach
Sattelstütze: Kind Shock LEV-DX
Vorbau: SDURO Alu
Lenker: SDURO Lowriser
Reifen: Mavic Crossmax Quest
Laufräder: Mavic CrossRide Light WTS
Gewicht/Größe: 22,5 kg / Größe M
Preis: 4.999 €