Driven! Autowelt
Ein silbergraues Model S des Elektroauto-Herstellers Tesla in voller Fahrt.
Ein silbergraues Model S des Elektroauto-Herstellers Tesla in voller Fahrt.
Tesla und die Elektro-Prämie: Viel Feind´, viel Ehr´!
Ein silbergraues Model S des Elektroauto-Herstellers Tesla in voller Fahrt.
Artikel

Tesla und die Elektro-Prämie: Viel Feind´, viel Ehr´!

Die E-Auto-Pioniere sollen von der deutschen Kaufprämie ferngehalten werden. Umso besser für Tesla! Ein Kommentar von Christoph Eichholz.

Seit langem wurde er lautstark gefordert – nun kommt er also endlich: der Kaufanreiz für Elektro-Autos. Reine Stromer sollen mit 4.000, Hybride mit 3.000 Euro gefördert werden. Die Kosten werden brüderlich geteilt: Vater Staat und die teilnehmenden Autobauer machen „halbe halbe“.

Allerdings ist nicht jeder von dieser Harmonie ergriffen. Der Elektropionier Tesla sieht sich benachteiligt und wittert eine Verschwörung.

Eine Anti-Tesla-Prämie?

Das Regelwerk der E-Prämie sorgt tatsächlich dafür, dass die Kalifornier möglichst wenig vom Kuchen abbekommen: Die Zuzahlungen sind nämlich auf 1,2 Milliarden Euro limitiert. Bis zum Marktstart von Teslas Model 3 in ca. 1,5 Jahren wird davon dann nicht mehr allzu viel übrig sein. Und die bis dahin verfügbaren Teslas sind sowieso außen vor, denn sie kosten mindestens 70.000 €. Gefördert wird aber nur bis 60.000.

Die offizielle Begründung für letzteres lautet, dass der Staat keinen Luxus subventionieren soll. Dass die Grenze zur Dekandenz aber erst bei 60.000 € pro Auto überschritten ist, leuchtet zunächst nicht ganz ein. Ein durchschnittliches deutsches Jahresbrutto beträgt nämlich gerade einmal knappe 35.000 €.

Allerdings liegen die Preise aller wichtigen deutschen E-Autos unter 60.000 €. So wird dann ein schon ein Schuh daraus. Angesichts dessen kann man sich dem Eindruck aber kaum noch erwehren: die E-Prämie ist wohl tatsächlich eine Art „Anti-Tesla-Prämie“.

Genau das sollten die Kalifornier aber sportlich sehen, denn das Sprichwort „viel Feind´ viel Ehr´“ passte selten besser. 

Das neue Model 3 von Tesla - ein rein elektrisches Auto mit ca. 375km Reichweite und einem Kaufpreis von ca. 30.000€.
Massentauglich: das Model 3 für $35.000.

Tesla erobert die Massen

Bislang sahen viele in Tesla ja einen kleinen Nischenanbieter, der zum Größenwahn neigt. Die Achtungserfolge schob man gerne auf großzügigen Förderprogramme von Ländern wie Norwegen. Der dortige Mechanismus bewirkt ja bekanntlich, dass Teslas Model S zum Teil nur noch halb so teuer ist wie ein vergleichbarer Verbrenner. Und auch in Kalifornien genießen die Stromer gewisse „Heimvorteile“.

Als Tesla Ende März sein Mittelklasse-Auto „Model 3“ enthüllte, kamen beide Argumente ins Wanken, denn innerhalb einer Woche gingen bei Telsa 325.000 Vorbestellung ein. Und das, obwohl dafür schon 1.000 Dollar anzahlen muss. 

Mit Brief und Siegel

Diese Zahlen haben offenbar mächtig Eindruck gemacht. Denn dass die Bundesregierung keine sechs Wochen nach der Enthüllung von „Model 3“ nun doch ein Förderprogramm auflegt, zeigt zweierlei:

  1. Man hält das Elektro-Konzept vielleicht doch nicht mehr für „Zukunftsmusik“, sondern für etwas, was jetzt und hier „massentauglich“ funktionieren könnte.
  2. Man sieht in Tesla anscheinend schon einen ernstzunehmenden Rivalen für die heimische Autoindustrie. Sonst hätte man sich nicht die Mühe gemacht, die Prämie so eindeutig gegen sie positionieren.

Das zusammen entspricht einer nachdrücklichen Kaufempfehlung für die Tesla-Aktie. Für ein Unternehmen, das komplett vom Vertrauen seiner Investoren abhängt, könnte das sogar mehr wert sein als 2.000€ Steuergeld pro Auto.

 

Außerdem zu diesem Thema: