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Brücke über ein Fjord.
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Stromschlitten statt Rentier – Norweger kaufen Elektroautos
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Stromschlitten statt Rentier – Norweger kaufen Elektroautos

Deutschland wird seine Elektromobilitätsziele wohl nicht erreichen. Norwegen hat hingegen sehr konsequent investiert – mit Erfolg.

Was bei uns die Abwrackprämie war, ist in Norwegen das Direktförderungsprogramm für Elektrofahrzeuge. Für die ersten 50.000 neu zugelassenen Elektroautos entfällt die Mehrwertsteuer in Höhe von 25 Prozent und die einmalige Registrierungssteuer.

Der Erfolg ließ nicht lange auf sich warten, und so wurde früher als erwartet, bereits im April die 50.000 Marke geknackt. Bei rund 5 Millionen Einwohnern eine beträchtliche Zahl. Somit lagen die Neuzulassungen an Elektrofahrzeugen dieses Jahr bei 20 Prozent, in Deutschland hingegen nur bei 0,3 Prozent.

Die Gründe hierfür sind nicht nur bei den staatlichen Anreizen zu suchen, sondern auch in der durchaus unterschiedlichen Mentalität der Norweger. Der Umweltschutz ist fest in der Mentalität der Bevölkerung verwurzelt, weshalb diese Förderungen auf fruchtbaren Boden fallen. Autobahnen sind in Norwegen auf 100km/h beschränkt, Landstraßen auf 80km/h. Das sind die perfekten Geschwindigkeiten für ein Elektroauto. Von diesen Zahlen sind wir in Deutschland gefühlte Lichtjahre entfernt. Energie bezieht Norwegen aus seinen zahlreichen Wasserkraftwerken, auch Autos mit Diesel- oder Benzinmotoren nutzen Strom, um Kühlwasser und Innenräume bei tiefen Temperaturen vorzuheizen. Damit sind die Fahrer die Handhabung mit dem Stromstecker gewohnt.

Erlass der Mehrwertsteuer und Sonderabschreibungen gefordert

Unter anderen aus diesen Gründen kann sich Kurt Sigl, der Präsident des Bundesverband eMobilität e.V., eine direkte Übertragbarkeit des norwegischen Modells auf Deutschland nicht vorstellen. Der Erlass der Mehrwertsteuer für private Autokäufer ist trotzdem ein sinnvoller Ansatz. "Darüber hinaus wollen wir eine Sonderabschreibung für Gewerbetreibende durchsetzen", sagt Sigl. "Hier geht es um ein politisches Zeichen. Das derzeitige Zögern von Bund und Ländern bei der Förderung der Elektromobilität ist eine Hängepartie, von der die potenziellen Käufer stark verunsichert werden."

 

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