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Robert Metzger, Geschäftsführer der Munich Expo, bei der Ankündigung des eMondays auf der eCarTec Munick 2015.
Robert Metzger, Geschäftsführer der Munich Expo, bei der Ankündigung des eMondays auf der eCarTec Munick 2015.
Holland am eMonday: zwischen Pizza und Schampus
Robert Metzger, Geschäftsführer der Munich Expo, bei der Ankündigung des eMondays auf der eCarTec Munick 2015.
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Holland am eMonday: zwischen Pizza und Schampus

Holland präsentiert sich auf der eCarTec als Vorreiter der Elektromobilität – und lässt auch bei Rückschlägen die Korken knallen.

Holland war das Thema des eModays – aber warum eigentlich Holland? Das Land ist in punkto Automobil eher für Wohnwagen bekannt – und die haben schließlich keinen eigenen Motor. Das Land sieht sich aber dennoch als eine Art Testlabor für die Elektromobilität.

Und es bringt wichtige Voraussetzungen mit: Es ist dicht besiedelt, die Distanzen zwischen den Städten sind sehr viel kürzer als hierzulande. Darüber hinaus dort der Strompreis niedriger aber dafür der Diesel teurer. Vor allem aber hat das Land den Willen, in diesem Sektor eine Vorreiterrolle zu übernehmen.

Pizza-Test mit Champagner

Prof. Dr. Johann Hurink von der Universität Twente hat nun einen solchen Elektromobilitäts-Test durchgeführt. In einem normalen Wohngebiet wurden Elektroautos und Tiefkühlpizzen an die Abnehmer eines Stromverteilers verteilt. Dann wurde eine Art „Feierabend-Szenario“ durchgespielt: Abends kommen die Bewohner nach Hause, hängen ihr E-Auto noch schnell an einen Schnelllader und werfen dann den Herd an.

Als Entschädigung für den Fall eines Kurzschlusses wurde den Teilnehmern Champagner versprochen – und die konnten die Korken auch recht schnell knallen lassen: 18 Elektroautos und 20 Tiefkühlpizzas waren zu viel für den Verteiler, als die Öfen zugeschaltet wurden ging er in die Knie. Genau solche Szenarien könnten aber bald auf das Stromnetz zukommen.

Unberechenbares Netz

Daher forscht Hurnik an einer smarten Verbrauchssteuerung: Durch die erneuerbaren Energien ist die Stromproduktion immer unberechenbarer geworden. Niemand weiß vorher so genau, wann wo wieviel Sonne scheinen wird und wie stark der Wind in der übernächsten Woche bläst.

Elektroautos könnten diese Situation jetzt einerseits noch verschlimmern – denn mit ihnen käme auch noch eine Vielzahl von unberechenbaren Konsumenten ans Netz. Andererseits könnten die E-Autos mit ihren riesigen Batterien aber auch eine Chance sein: Wenn es gelingt, ihren Konsum zu steuern, dann könnten Sie die Unberechenbarkeit der erneuerbaren Energien ausgleichen – vorausgesetzt man bekommt die Besitzer dazu, sie immer in „günstigen“ Momenten mit viel Wind oder Sonnenschein aufzuladen.

Oranje Lösungen

Außerdem können E-Fahrzeuge einige „typisch holländische“ Probleme lösen, wie die Firma EMOSS berichtet: Die elektrischen Kleinlaster, die EMOSS u.a. produziert, müssen für 250 km Fahrt ca. 4,5 Stunden lang geladen werden. Ein holländisches Gesetzt macht sie aber unter Umständen dennoch attraktiv, denn in Hollands Städten gilt nämlich – neben immer strengeren Abgasnormen –  auch ein nächtliches Lieferverbot für LKWs. Der Grund ist der Lärmschutz – allerdings führt das Gesetz wiederum zu einem anderen Problem, denn eigentlich hat die nächtliche Anlieferung große Vorteile: sie entlastet die verkehrsreichen Tagstunden. Laut- und emissionslose E-Trucks können diese Zwickmühle umgehen. Auf lange Sicht könnte damit also holländische Lärmschutzverordnungen die Elektromobilität auf einem ganz neuen Gebiet voranbringen.

 

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