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Aufnahme eines Airbus Testflugzeugs mit Elektroantrieb.
Aufnahme eines Airbus Testflugzeugs mit Elektroantrieb.
Elektromobilität: Zu Lande, zu Wasser – und in der Luft?
Aufnahme eines Airbus Testflugzeugs mit Elektroantrieb.
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Elektromobilität: Zu Lande, zu Wasser – und in der Luft?

Hat der Elektroantrieb eine Zukunft in der Luftfahrt? Boeing ist skeptisch, Airbus vorsichtig – und Siemens baut bereits Motoren.

Sie sind deutlich kleiner, leiser und umweltfreundlicher: Siemens stellt einen E-Motor für Flugzeuge vor: er wiegt 50 Kilogramm und lässt zwei Tonnen schwere Propellermaschinen abheben.

Auf der Luftfahrtmesse bei Paris präsentiert Siemens einem kleinen, erwählten Kreis die Zukunft des Flugzeugantriebs. Große, laute und kerosinverschlingende Turbinen sollen so der Vergangenheit angehören. Der Weg dahin ist zwar noch ein langer, aber der erste – und bekanntlich schwerste –  Schritt ist getan.

Frank Anton, der Leiter des Siemens Aircraft-Teams zeigt sich in einem Gespräch mit der „Welt“ optimistisch: "Wir erwarten, dass bis zum Jahr 2022 große Geschäftsreiseflugzeuge mit etwa zehn Personen elektrisch angetrieben werden. In zwanzig Jahren könnten dann E-Flugzeuge mit 50 bis 100 Sitzen im Einsatz sein"

Weltrekord

Seit 2011 testet Siemens die Technik in verschiedenen Projektschritten und Versuchsflugzeugen auf Hochtouren und rechnet damit, dass in den nächsten zwölf Monaten der erste Ein- und Zweisitzer abheben kann. Der E-Flugzeugmotor liefert bei einem Gewicht von 50 Kilogramm 260 Kilowatt mechanische Dauerleistung. Dies ist ein Weltrekord.  

Der Flieger verfügt über einen Hybridantrieb, also einer Kombination aus Elektro- und Verbrennungsmotor. Ein reiner Batteriemotor ist aufgrund der geringen Leistungsfähigkeit noch nicht möglich. Bei dem Hybridantrieb versorgt eine "Verbrennungsturbine" den Propellerantrieb mit Strom. Jedoch in der Startphase wird zusätzlich eine Batterie zugeschaltet. Somit könnte ein Viertel des Kerosinverbrauchs eingespart werden.

Langsamer Übergang bei Airbus, Boeing zweifelt

Diesen Entwicklungen gegenüber zeigen sich Airbus und Boeing aufgeschlossen, verfallen jedoch nicht in Euphorie. Der Weg  in eine elektrische Zukunft ist noch sehr lang. Als erstes plant Boeing hydraulische Funktionen durch Elektrik zu ersetzen. Dies spart nicht nur Gewicht, sondern stellt gewissermaßen auch den Startschuss für den Übergang dar.

"In einem zweiten Schritt werden dann gegen 2050 elektrische Triebwerke die notwendige Reife erreicht haben", sagte Airbus Chef Brégier der "Welt". Er bezieht sich dabei auf den Markt der heutigen größeren Passagierflugzeuge. Im Gegensatz dazu äußert sich Boeing-Chef Jim McNerney verhalten. Er sieht in seiner Generation den Elektroantrieb "nicht der beherrschende Antrieb für Passagierflugzeuge werden".

Airbus baut schon Elektroflugzeuge

Airbus fängt währenddessen schon mit konkreten Schritten zu einer Umstellung an. Als Zeichen dafür hebt auf der Flugzeugmesse in Le Bourget täglich ein kleiner Airbus-Elektroflieger ab – der Zweisitzer E-Fan. Eine E-Fan-Serienfertigung ist laut Airbus bereits in Planung. Ab Ende 2017 plant Airbus zusätzlich im südwestfranzösischen Pau jährlich zehn kleine E-Flugzeuge bauen. Tendenz steigend.

Ein Umbruch in der Antriebstechnik auf Elektromobilität würde für große Triebwerkhersteller große Veränderungen nach sich ziehen. Aus diesem Grund werden in der deutschen Wirtschaft die Entwicklungen rund um das Thema elektrisches Fliegen sehr aufmerksam beobachtet. Nach heutigen Stand der Dinge könnte es aber noch mehrere Jahrzehnte dauern, bis Flugzeuge in der Größe einer A320 vollständig elektrisch fliegen könnten. Es ist noch ein langer Weg, aber der erste Schritt in die richtige Richtung ist geschafft.

 

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