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Das Ford "Sybean Car", auch "Hemp Car" gennant, von 1941.
Henry Ford, wie er 1941 mit einer Axt auf seinen aus Naturfasern gefertigten Kofferraum schlägt.
Die Geschichte des Hanfautos
Das Ford "Sybean Car", auch "Hemp Car" gennant, von 1941.
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Die Geschichte des Hanfautos

Vor 75 Jahren kam die Sensation: ein Auto aus Hanf, unglaublich leicht & stabil. Doch es verschwand. Kommt es dank eMobility zurück?

Am Anfang steht ein Mysterium: Das Hemp-Car. An diesem Auto ist so ziemlich alles umstritten – einschließlich der Frage, ob es überhaupt aus Hanffasern gebaut wurde. Und natürlich ist auch schon der Name selbst ein Streitpunkt: Eigentlich wurde der Wagen als „Soybean Car“ vorgestellt. Bei dieser Präsentation im Jahr 1941 wurde allerdings gleichzeitig Hanf als einer der Hauptbestandteile seiner Naturfaser-Karosserie genannt.

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Die Unterlagen über deren genaue Zusammensetzung wurden allerdings vollständig zerstört – genau wie der Prototyp an sich. Und Lowell E. Overly, einer der Mitkonstrukteure, gab später an, dass gar kein Hanf beim Bau verwendet wurde.

Aussagen zum Hemp Car sind mit Vorsicht zu genießen

Allerdings sind Aussagen über das „Hemp Car“ immer mit Vorischt zu genießen, denn obwohl die Hanfsorten, die zur Herstellung von Naturfasern dienen, überhaupt kein berauschendes THC enthalten, ist die ihre Geschichte wohl nicht ganz vom „Grass“ zu trennen. Denn Anti-Drogen Gesetze, wie der amerikanische „Marihuana Tax Act“ von 1937, machten auch den Anbau von Nutzhanf schwierig bzw. teuer.

 

Und das ist vielleicht auch gar kein Zufall. Es gilt zumindest als wahrscheinlich, dass es den Vätern solcher Gesetze oftmals weniger ums Kiffen als um die billigen Nutzfasern ging: der Marihuana Tax Act soll von einer Gruppe von Leuten um Randolf Hurst, dem Polit- und Finanzmogul Andrew Mallon und der Familie Nylon-Familie Du Pont unterstützt worden sein. Ihnen ist gemeinsam, dass sie allesamt kein Interesse an billigem Hanf als Konkurrenz zu ihren Papier- oder Kunststoffprodukten hatten.

Diese unübersichtliche Gemengelage aus Industrieinteressen und Drogengesetzen wird auf der offiziellen Webseite thehenryford.org, auf die man bei Ford bei Anfragen rund um das Hemp Car verweist,   http://www.thehenryford.org/research/soybeancar.aspx allerdings nicht weiter thematisiert. Hier spricht man außerdem auch immer nur vom „Soybean Car“.

Mysteriöses Verschwinden

Die plötzliche Vernichtung von Auto und Unterlagen wir hier auch recht einfach erklärt: Kurz nachdem der Prototyp fertig wurde begann für die USA der Zweite Weltkrieg. Dessen Rüstungswirtschaft schränkte die Produktion von Privat-PKWs stark ein und als der Krieg vorbei war, gerieten die Hanf- bzw. die Soybohnenpläne dann irgendwie in Vergessenheit.

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So ganz einleuchten mag das aber irgendwie nicht, schließlich führte der Krieg zur Stahlknappheit, da wäre ein Alternativprodukt doch eigentlich wünschenswert. Und falls Henry Fords Angaben zum Prototypen zutreffen, dann wäre er sicher auch für eine militärische Verwendung interessant gewesen – schließlich soll er mit 900 Kilo um rund ein Drittel leichter gewesen sein als vergleichbare Stahl-Autos und dabei so stabil, dass er selbst einen Überschlag hätte wegstecken können. Zur Demonstration der Stabilität griff der Firmenpatriarch persönlich dann auch gleich zur Axt – und zwar vor laufender Kamera.

Sagen, Mythen und Legenden

Allerdings schlug er damit nicht auf das Hemp Car selbst ein, denn so wäre dieser Teil der Geschichte ja am Ende viel zu einfach und logisch verlaufen. Stattdessen ließ er einen weiteren, naturfaserverstärkten Kofferraumdeckel produzieren und ihn auf sein eigenes Auto montieren. Und die verwendete Axt hatte darüber hinaus auch noch eine Art Gummikappe über der Schneide – aber auch „entschärfte“ Äxtschläge stecken wohl die wenigsten Autos so gut weg.   

 

Das Video, in dem dieser Stunt zu sehen ist, gibt wiederum Anlass zu eigenen Spekulationen.

Das Hanfauto Lotus Eco Elise.

Darüber hinaus existiert z.B. auch noch die Legende, das Hemp/Soybean Car wäre nicht nur aus Hanf gebaut, sondern auch mit (flüssigem) Hanf betankt worden und hätte bei der Verbrennung dann nichts als reinen Sauerstoff produziert –  was höchstwahrscheinlich aber eher nicht Fall war. Doch so seltsam das spurlose Verschwinden des „Hemp Car“ auch wirken mag – sonderlich ungewöhnlich ist nicht, dass vielversprechende Prototypen einfach in Vergessenheit geraten. Ein recht ähnliches Konzept der Firma Lotus für eine Naturfasern verstänkerte Version ihres Modells ELISE hat es kürzlich noch nicht einmal in eine der – bei Lotus üblichen – Kleinserien geschafft.

Naturfasern sind bisher nur Randerscheinungen im Auto

Heute sind die Hanf- und Naturfasern gerade auf einem guten Weg, sich tatsächlich einen Platz in der Automobilproduktion zu erkämpfen, auch wenn sie dabei wohl noch am Anfang stehen. Denn auch wenn die Naturfasern sich grundsätzlich gut eignen würden, gibt es bis heute kaum Betriebe, die die Fasern in eine für die industrielle Weiterverarbeitung geeignete Form bringe. Daher sind bei herkömmlichen PKWs eher die Randerscheinungen aus Naturfasern – wie etwa die Ersatzradmulden, die meist mit Bananenfasern ausgekleidet sind. 

Bild der Türe eines Kestrel Hemp Cars aus Hanffasern.

Das Comeback im Zuge der Elektromobilität

Allerdings drängt mit den Elektroautos gerade ein neues Produkt in den PKW-Markt, für das die Naturfasern wie geschaffen wirken: Elektroautos nämlich noch große Probleme mit ihrer Reichweite. Leichtbau ist für sie daher noch viel wichtiger als für Benziner, denn jedes verlorene Kilo belastet ihre Batterien ein bisschen weniger und schiebt den vergleichsweise langwierigen Ladevorgang ein Stückchen weiter hinaus.

Das Kestrel Hemp Car in rot.

Wenn sie dieses Gewicht mit Hilfe von Naturfasern einsparen, bekommen die Autobauer ein weiteres Verkaufsargument in die Hand, denn für die meisten Käufer von Elektroautos ist der Umweltschutz letztlich der entscheidende Grund, warum sie etwas mehr Geld für Fahrzeug mit etwas weniger Alltagstauglichkeit ausgegeben. Daher verwundert es auch nicht, das jüngsten Entwicklungen in Sachen Hanf-Auto meist an Elektroautos stattfinden. So hat etwa die kanadische Firma Kerstel ein Elektroauto mit einem sehr hohen Anteil von Hanfanfasern gebaut um zu zeigen, was in dieser Richtung möglich wäre.

Der eBike/Auto-Hybrid "Onyx E-Mobil".

Deutscher Auto/eBike-Hybrid

Auch die deutsche Firma Onyx hat ein Modell vorgestellt, bei dem Hanffasern verbaut wurden. Gerade letzteres ist darüber auch noch sehr interessant, da es eine ganz neue Fahrzeugklasse wäre: Äußerlich ist es fast ein Smart, aber vor den Sitzen sind Pedale angebracht. Daher kann man es wahlweise nur mit Muskelkraft, mit Muskeln und Elektromotor oder auch ganz ohne körperliche Anstrengung ausschließlich per Elektroantrieb bewegen. Und auch die Ladeproblematik ist clever gelöst: der Akku steckt in einer Art Rollkoffer. Statt sich also über Ladesäulen oder Stromanschlüsse an der Straße Gedanken zu machen, kann man die Batterie einfach mit in die Wohnung oder das Büro nehmen und dort anstecken.     

 

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