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Elektromobilität, eine Zukunft für die Hotelbranche
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Elektromobilität, eine Zukunft für die Hotelbranche

Bei Reisen mit dem E-Auto ist es logisch, nachts im Hotel nachzuladen. Mit zuverlässigen Angeboten könnten Hotels treue Kunden gewinnen.

Es kommen immer mehr Elektrofahrzeuge in den Straßenverkehr. Diese zu laden wird im nächsten Schritt eine Herausforderung für die Immobilienwirtschaft. Besonders Hotels sind hier gefragte Aufenthaltsorte. Gerade dort ergeben sich jedoch durch die Kombination mit Fahrspaß und nachhaltiger Energieversorgung wirtschaftliche Potentiale.

Jetzt möchte offensichtlich auch Apple in den Zukunftsmarkt der Elektromobilität einsteigen. Für Insider ist dies sicher keine Überraschung. Nach Tesla und BMW wäre das ein weiterer Anbieter mit dem Potential, aus der Elektromobilität einen Massenmarkt zu machen.

Spätestens jetzt ist es an der Zeit für die Immobilienbranche sich Gedanken zu machen, was dies für sie bedeutet. Sicher kann man davon ausgehen, dass sich die Elektromobilität am Straßenrand abspielt wie es die zahlreichen Bilder von Ladesäulen erscheinen lassen. Elektromobilität wird nicht erfolgreicher durch ungewolltes Parken am Straßenrand bzw. Investitionen, welche sich für den Betreiber ohne Subventionen nicht rechnen. Exklusive Stellflächen in beengten Innenstädten für ein Nischenprodukt, welche dann aus o.g. Gründen oft sogar ungenutzt bleiben, führen zusätzlich zu überflüssigem, aber verständlichem Ärger bei den übrigen Verkehrsteilnehmern und Anwohnern. Wahrscheinlicher ist jedoch, dass Ladevorgänge dort stattfinden, wo sich die Fahrer ohnehin für längere Zeit aufhalten, also am Arbeitsplatz, zu Hause oder z.B. in Hotels. Gerade die Übernachtungszeiten in Hotels sind auch für herkömmliche Ladezeiten gut geeignet.

Verzweifeltes Suchen nach Ladetechnik trübt den Hotelaufenthalt

Tesla-Fahrer könnten sich jetzt eigentlich entspannt zurücklehnen. Sie verfügen nicht nur über ein tolles Fahrzeug, sondern sind im Vergleich zu einem gleichwertigen Oberklassewagen sehr wirtschaftlich. Darüber hinaus können Sie an den immer zahlreicheren Superchargern an Europas Autobahnen in der Zeit eines gemütlichen Cappuccinos eine Reichweite von 400 km nachladen, und das sogar kostenlos und mit 100 % Ökostrom. Nebenbei sind Mails und Kontakte auch unterwegs zeitnah bearbeitet.

Elektromobilität spielt sich jedoch in den wenigsten Fällen auf der Autobahn ab. Hat man seinen Geschäfts- oder Privattermin absolviert, sucht man das vorreservierte Hotel auf. Ladetechnik in der Regel Fehlanzeige. Am Empfang empfohlene Alternativen in der Umgebung bedeuten beispielsweise bei einer Ladesäule der örtlichen Stadtwerke oder vor einem Gebäude der RWE zu Parken, sofern dies überhaupt möglich ist oder die Säulen zugänglich sind. Spätestens der dann anstehende nächtliche Fußmarsch zurück zum Hotel Taxis gab es leider selten in den abgelegenen Orten, und der Gedanke am nächsten Morgen das Gleiche nochmals zu absolvieren, erhöhen das eigene Vertrauen in die Restreichweite zum nächsten Supercharger. Schlimmstenfalls muss noch irgendwo nach Strom gebettelt werden.

Als Fahrer von Elektrofahrzeugen kann man sich bei PKW-Reisen keine Buchungen mehr ohne verlässliche Park- und Lademöglichkeit am Übernachtungsort vorstellen.

Die Immobilienwirtschaft, insbesondere Hotels, in der Schlüsselfunktion einer erfolgreichen Elektromobilität

Auf die Immobilienwirtschaft kommen hier Aufgaben zu, welche sich durchaus auch als Chancen bezeichnen lassen. Gerade bei Hotels bieten sich zusätzliche Möglichkeiten der Kundenbindung und erweiterte Ertragspotentiale sowie reduzierten Betriebskosten. Der Flughafen München und ausgewählte Hotels haben beispielsweise bereits einen guten Ruf unter den Frühstartern der Elektromobilität. Sie haben früh Park- und Lademöglichkeiten in guter Lage geschaffen. Den Marktvorteil von Ladetechnik in Hotels quittieren Fahrer von Elektrofahrzeugen gern.

Das Citadines Hotel in München plant für ihre Hotelgäste nicht nur die Möglichkeit des Ladens, sondern kooperiert mit der m+p e-mobility, in dem den Gästen auch die Nutzung von Segways, E-Bikes, etc. für die lokale Fortbewegung zur Verfügung gestellt werden können. Im Schulungshotel Schloss Hohenkammer im Norden Münchens können darüber hinaus interne Mitarbeiter die E-Fahrzeuge für Dienstfahrten, aber auch privat nutzen. Bei besonderen Anlässen wird auch mal ein Shuttle-Service mit E-Fahrzeugen durchgeführt. Darüber hinaus kann elektromobiler Fahrspaß im Rahmen von Events gebucht werden.

Überschaubarer Aufwand für die Immobilienwirtschaft

Weniger ist mehr gilt auch in der Ladetechnik als vernünftiger Ansatz. Bereits mit konventioneller Ladetechnik kann ein Grundbedarf gedeckt werden. Wenn dann zusätzlich noch Typ 2 – Stecker zum Einsatz kommen, ist die Immobilie bereits gut ausgestattet. Entscheidender ist der richtige Standort für Pilotflächen. Eine flächendeckende Anwendung kann je nach Bedarf schrittweise ergänzt werden. Zu Engpässen kann es schnell bei der Stromeinspeisung kommen, insbesondere wenn schnellere Ladevorgänge gewünscht werden. Hier sind aus der Erfahrung diverser Projekte sehr schnell Grenzen erreicht, welche hohe Zusatzkosten verursachen. Sollte sich Elektromobilität auch nur zu einem kleinen Anteil in der Mobilität entwickeln, so gelangen nahezu alle Immobilien schnell an ihre Grenzen, auch die Neubauten. Und wenn die Immobilien schrittweise ihre Hausaufgaben machen verlagert sich die Problemstellung möglicherweise in die vorgelagerten Arealnetze Hierin bestehen die zukünftigen Herausforderungen, nicht in der Ladetechnik. Bei der Ladetechnik wird die Induktionsladung noch einen Innovationsschritt bringen.

Einsparpotenziale in Kombination mit Energieeffizienzmaßnahmen

Schnell steht man dann vor der Frage einer Kapazitätserweiterung der Einspeisung für hohe Investitionen. Sinnvoll ist dann den Ansatz einer dezentralen Eigenerzeugung durch PV oder BHKW ́s, sofern sie noch nicht vorhanden ist, neu zu bewerten. Hotels mit Klimatisierung und Schwimmbädern sind ohnehin ideale Einsatzgebiete für BHKW ́s. Aber auch Biomasseheizzentralen sind bei entsprechenden Rahmenbedingungen interessante Optionen. Gerade bei EEG-Anlagen nach neueren  Vergütungsregeln ergeben sich interessante Alternativen für die zunehmend geforderte Eigenstromverwertung. Konsequent ist dann aber auch eine optimierte Energieeffizienz in der Gesamtimmobilie anzustreben. Effiziente Beleuchtungssysteme gehören beispielsweise hier ebenso dazu wie eine Optimierung der gesamten raumlufttechnischen Anlagen und der elektrischen Antriebe. Durch diesen ganzheitlichen Ansatz wird die Elektromobilität nicht nur endgültiger Bestandteil der Energiewende, sondern sind auch wirtschaftliche Gesamtlösungen denkbar.

Contractinglösungen vermeiden Investitionen

Elektromobilität umfasst somit nicht nur Fahrzeuge und Ladetechnik, sondern beeinflusst auch die gesamte Energieinfrastruktur und deren Lastprofile. Dies zu bündeln ist sinnvoll, erfolgsversprechend und ermöglicht dem Immobilieneigentümer auch Fremdvergaben analog dem Energiecontracting bzw. einer Energieeffizienzpartnerschaft. Gerade in der dynamischen Anfangszeit und den sich permanent ändernden Rahmenvoraussetzungen und neuen Produkten, welche nicht immer gleich ausgereift sind, bietet sich das Vertrauen in eine erfahrene Fachfirma an. Um Fehlinvestitionen zu vermeiden, sollte ebenso wie bei einer Contractingmaßnahme, eine fundierte Bestandsaufnahme und Bedarfsermittlung +erfolgen.

Autor: Arthur Dornburg, Geschäftsführer m+p E-mobility GmbH & bluemove consulting GmbH

 

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