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Artikelbild BeschreibungDie dunkle Seite von Grün? Elektromobilität in China1972
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Die dunkle Seite von Grün? Elektromobilität in China
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Die dunkle Seite von Grün? Elektromobilität in China

Magere 16% der Elektroautos werden in China von Privatleuten gefahren. Der Rest sind Taxen, Leihwagen oder Busse. Um den Durchbruch der Elektromobilität anzuschieben, plant China zahlreiche Angebote, die nicht nur auf den Umweltschutz abzielen.

Zehn Milliarden Euro nimmt die chinesische Regierung aktuell in die Hand, um Ladestationen einzurichten und Kunden mit Geldgeschenken von bis zu 17 000 Euro zum Kauf eines Elektroautos zu bewegen. Dabei verspricht China seinen Bürgern nicht nur Subventionen, sondern auch die sofortige Zuteilung von Nummernschildern – was beispielsweise in Shanghai sonst keine leichte Sache ist.

Um den heimischen Markt anzukurbeln, schließt die chinesische Regierung ausländische Fabrikate von Subventionen, Steuerbefreiung und öffentlicher Beschaffung aus. Unterstützte Elektroautos müssen vollständig in China produziert worden sein. Ein deutscher Automobilhersteller sah hier seine Chance und prägt den chinesischen Elektromobilmarkt entscheidend mit.

Mercedes geht mit dem „Denza“ voran

Angelehnt an die B-Klasse ist der Denza das erste Auto, das Daimler komplett außerhalb von Deutschland entwickelt hat. Dafür gründeten die Schwaben mit BYD, dem weltgrößte Hersteller von Smartphone-Akkus, ein 300 Millionen Euro schweres Joint-Venture-Unternehmen. Der Denza fährt mit einer Stromladung bis zu 300 Kilometer weit und ist mit vielen Extras speziell auf den chinesischen Markt ausgerichtet. So sorgen z.B. 120 Millimeter Bodenfreiheit und ein doppelter Unterboden für ein angenehmes Fahrgefühl auf den Schlagloch gespickten Straßen der Volksrepublik. Die Frage, warum Daimler den Denza bislang ausschließlich auf den chinesischen Markt bringt, bleibt jedoch unbeantwortet.

Zwischen Umweltschutz und Überwachung

Wurden in China 2013 insgesamt nur rund 18 000 Elektroautos verkauft, stieg die Zahl 2014 um mehr als 400 Prozent auf beachtliche 75 000 Autos an. Mit ihren Fördermaßnahmen möchte die chinesische Regierung nicht nur ihre Bevölkerung von der smogbelasteten Luft befreien und heimische Automobilhersteller stärken. Die elektrischen Autos sollen in eine digitale Infrastruktur eingebettet werden, dem sogenannten „Internet der Autos“. Auf diese Weise entstehen Unmengen von Daten. Daten, die nicht nur sensible Informationen über die Fahrzeuge, sondern vor allem über Fahrverhalten und Vorlieben ihrer Fahrer enthalten. Dass diese Daten ausschließlich dem Staat frei zur Verfügung stehen, steht dabei außer Frage.

Es ist die Rede von der Nachverfolgung des gesamten innerstädtischen Verkehrs, sowie von innerstädtischen Maut-Brücken und elektronischen Lizenzplaketten. Sogenannte On-Board-Units (OBUs) machen, zusammen mit der von einem staatlichen Militärunternehmen entwickelten Satellitentechnologie, die Erhebung und Verarbeitung von Fahrprofilen möglich. Bei dieser etwas bizarren Vorstellung der staatlichen Verkehrsüberwachung muss erwähnt werden, dass auch Firmen wie Google und Apple das Auto bereits im Fokus ihrer neusten Entwicklungen haben. Die Frage ist nur, wer dabei schneller ist – und wie sich die deutschen Automobilhersteller hier zwischen Datenschutz und Marktanteilen positionieren wollen.

 

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