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Munich-Expo-Geschäftsführer Robert Metzger
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eCarTec: "Die Elektromobilität ist in der Realität angekommen"
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eCarTec: "Die Elektromobilität ist in der Realität angekommen"

Geschäftsführer Robert Metzger zieht im Interview Bilanz aus der eCarTec 2015 - und die fällt durchweg positiv aus.

Yoocorp: Sind Sie zufrieden mit dem Verlauf der eCarTec 2015?

Sehr zufrieden! Wir haben deutlich mehr Besucher. Wieviel genau lässt sich natürlich erst nach der Endauswertung sagen. Es dürften dieses Mal aber über 12.000 gewesen sein. Und was ich von den Ausstellern gehört habe sind auch alle durchweg zufrieden!

Yoocorp: Haben sich im Laufe der Messe große Trends herauskristallisiert? Gab es Überraschungen?

Sehr positiv überrascht war ich, dass ein Aussteller, der hier ein Nutzfahrzeug präsentiert hat, einen riesigen Abschluss machen konnte. Dass so etwas auf einer Messe passiert ist sehr überraschend. Meistens dienen die Messen eher zur Geschäftsanbahnung und die Abschlüsse werden dann anderswo gemacht. 

 

Der klare Trend ist für mich: Die Elektromobilität ist in der Realität angekommen. Jeden Tag wurden hier über 60 Elektrofahrzeuge abgestellt und aufgeladen – und das auf dem Besucherparkplatz, die der Aussteller zählen da also nicht dazu. Wir tragen dem auf der Messe mit einer Sonderschau für Anwender aus dem Hotel- und Touristikbereich Rechnung. 

Ein sehr wichtiger Trend ist sicherlich, dass man gerade im Tourismus verstärkten Wert auf Nachhaltigkeit legt und dementsprechend immer mehr auf Elektrofahrzeuge setzt – vom E-Bike über den E-Scooter bis hin zum Leihfahrzeug für die Gäste oder bei der Anlieferung der Güter.

Yoocorp: Zahlreiche Aussteller und Besucher kamen auch in diesem Jahr aus Fernost. Hatten sie etwas Überraschendes im Gepäck?

Im Detail habe ich zu wenig direkten Einblick in die technischen Trends, aber wir stellen fest, dass der Auslandsanteil sowohl auf Ausstellerseite, als auch auf Besucherseite deutlich ansteigt. Die Internationalität der Messe ist mit über 35 Prozent Auslandsanteil bei den Ausstellern deutlich gewachsen, besonders vertreten sind China und Taiwan. Und die Besucher kommen aus fast 60 Ländern.

Yoocorp: Waren die Auswirkungen von Dieselgate spürbar?

Das Thema Diesel wurde hier eher als Ansporn gesehen, möglichst schnell von den fossilen „Stinkern“ wegzukommen und sich – vielleicht gerade im Fall von VW –  mit einem verstärkten Push der Elektromobilität ein wenig reinzuwaschen. In der Branche geht man allgemein davon aus, dass die Affäre dem Thema Elektromobilität noch mehr Schwung verleihen wird. 

 

Yoocorp: Entsprechend positiv fallen Ihre Voraussagen für 2016 aus?

Es sieht gut aus! Wir haben bereits einige Buchungen von Firmen, die vorher ein oder zwei Jahre ausgesetzt hatten. Beispielsweise wird sich das Land Nordrhein-Westfahlen im nächsten Jahr wieder mit einem großen Gemeinschaftsstand mit Beteiligung von zwanzig Firmen engagieren. Ein Zeichen, dass die Entwicklung Fahrt aufnimmt. Einige, wie beispielsweise Nissan, wollen vergrößern und auch den Anspruch deutlich erhöhen. Daimler war ebenfalls sehr zufrieden mit seiner Beteiligung. Dort hat man den Fokus auf Flottenmanager, Hotels, Städte und Gemeinden gelegt. Professionelle Einkäufer waren sehr stark vertreten, wie auch das Engineering und die Entwicklungsabteilungen der OEMs.

Yoocorp: Ihr Credo lautet: das Auto der Zukunft ist elektrisch, vernetzt und autonom. Wären diese Eigenschaften nicht auch bei einem Verbrenner denkbar? 

Theoretisch natürlich schon. Aber ein autonomes Fahrzeug ist soweit elektrifiziert, dass ein steinzeitliches Lagerfeuer unter der Motorhaube wenig Sinn machen würde. Ich kenne kaum jemanden, der ernsthaft darüber nachdenkt, ein vollautonomes Fahrzeug mit einem Diesel auszustatten. 

 

Yoocorp: Gibt es eigentlich inzwischen einen Anschub zur Vereinheitlichung der Ladestecker?

Der Typ-2-Stecker hat sich in Europa eindeutig als Standard durchgesetzt. Man fährt wohl eher selten mit einem europäischen Auto nach Asien, wo ein anderer Typ dominiert. Hier ist also auf jeden Fall eine Vereinheitlichung zu beobachten. 

Bei den Schnelladestationen dominieren im Wesentlichen zwei Systeme: nämlich Chademo und das Combined-Charging-System. Es gibt zwar Adapter, aber hier ist durchaus noch ein kleiner Kampf im Gange. Mal sehen was sich am Ende durchsetzt. Für den normalen Nutzer ist das Thema Stecker aber in meinen Augen kein Problem. Zwar geht auch Tesla noch seinen eigenen Weg, aber wie schon gesagt: im Normalfall gibt es Adapter! 

Yoocorp: Herr Metzger, wir danken Ihnen für das Gespräch!

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