Driven! Autowelt
Artikelbild BeschreibungFahrbericht VW Scirocco GTS5331
Artikel

Praxistest VW Scirocco GTS

Walk on the Wild Side

Der Scirocco hat die gleichen Gene wie der grundsolide Golf. Aber er gönnt sich den wilderen Lebensstil. Das bringt Höhen & Tiefen.

„Emotion“ – dieses unbestimmte Bauchgefühl steht erstaunlich oft auf der Habenseite, wenn wir die Vorzüge unserer Lieblingsautos beschreiben. Vielleicht macht genau das aber ihre Faszination aus: während der kühle Kopf zur viertürigen Familienkutsche rät, will das hungrige Herz vor allem eins – nämlich spritzigen Fahrspaß erleben. Und der olle Kopf? Der darf zusehen und genießen!

VW Scirocco GTS
Auto-Erotik: Der heißeste Body der Kompaktklasse!

Der VW Scirocco GTS im Test: blendend – oder Blender?

Womit wir auch schon beim „Testobjekt“ wären: auf den allerersten Blick spricht nämlich in der Klasse der sportlichen Kompaktler recht wenig für Volkswagens Mini-Coupé. Wer’s kompakt und sportlich mag, der greift – vermutlich schon aus Traditionsbewusstsein – normalerweise zum bewährten VW-Dauerbrenner. Klar: Der Golf GTI ist eben Kult – und bietet auf Wunsch in der fünftürigen Ausführung auch eine weitaus bessere Raumausnutzung.

Anzeige

Hier kannst Du 50 Euro auf Dein Audi-Chiptuning sparen. Jetzt klicken!

Zudem ist der Performance-Klassiker bei vergleichbarer Ausstattung günstiger zu haben – ab 29.625 Euro darf im GTI Platz genommen werden, während der GTS mit 31.425 zu Buche schlägt. Zudem basiert der „Neue“ auf der Plattform des alten Golf – hinkt also eine Generation hinterher.

Wenig berauschend fallen auch die Verkaufszahlen seit dem Neustart Anno 2008 aus. Egal: vorerst steht man in Wolfsburg zur Flitzer-Legende.

Anzeige

Hier klicken und 50 Euro sparen!

Da drängt sich doch die Frage auf: Ist der Scirocco nur ein überflüssiger Blender, der außer dem schönen Schein wenig zu bieten hat? Finden wir’s heraus!

Ein Coupé mit dickem Ende

Seinen Design-Vorteil weiß der Wolfsburger Mini-Muskelprotz jedenfalls schon auf den ersten Blick einzusetzen: Flach und dynamisch, gleichzeitig breit und martialisch kommt der GTI-Vetter daher. Die neu gestaltete Front sorgt für einen aggressiveren Look. Front- und Heckstoßfänger unterstreichen den starken Eindruck. Kennt man ja bereits vom „R“-Modell. Die für den Scirocco charakteristische, gestreckte Dachlinie läuft organisch bis zum Dachspoiler. Auch das „dicke Coupé-Ende“ kann überzeugen: der massige Hintern garantiert eine wuchtige Straßenpräsenz. Die GTS-Embleme im 3D-Look an Front und Heck sind ein nettes Detail. 

VW Scirocco GTS
Ein wuchtiger Auftritt - neidische Blicke inklusive

Abgerundet wird der überzeugende Auftritt durch die GTS-typische Doppelstreifen-Folierung, die sich bis zur Gepäckraumklappe durchzieht. Zwischenfazit: Neidische Blicke vom Otto-Normal-Golffahrer gibt es beim Scirocco serienmäßig.

Wunderbare Winkelzüge

Gut, damit sei festgehalten: optisch ist der neue GTS eine Wucht. Aber genug vom schönen Schein. Die Autobahn ruft nämlich schon hörbar. 220 PS packt der 2.0 Liter Turbobenziner. Die adaptive Fahrwerksregelung noch schnell in den Sportmodus gelockt, dann kann es losgehen. Schließlich dürfen beim DRIVEN!-Test schon mal gepflegt die Fetzen fliegen. So eingestellt lassen sich die Gänge mit dem ikonischen Golfball-Knüppel wunderbar „einprügeln“. Spaß macht der S-Mode auch in höheren Drehzahlen – die quittiert der Antrieb mit einer Donnerhall-Fanfare aus dem Auspuff-Doppler. Kann sich hören lassen! 

Grundsätzlich gilt: die Kurve und der Scirocco, das ist weiterhin eine Liebe fürs Leben. Das Fahrwerk erlaubt wunderbar exakte Winkelzüge mit den 18-Zoll-Felgen zu vollführen, während der Fahrer Dank der Sportsitze felsenfest im Sattel sitzt. 

6,5 Sekunden braucht der GTS von 0 auf 100 – das ist so ordentlich wie GTI-altbekannt. Was dem Fahrspaß natürlich keinerlei Abbruch tut. Der ist weiterhin beträchtlich: Druck und Tempo reichen locker, um auf der Überholspur eine mehr als achtbare Figur abzugeben, die 350 Nm tun ihr übriges. 

Anzeige

Nachdem alle 220 Pferdchen an der Vorderachse zerren, bringt er GTS seine Kraft nicht immer und überall restlos auf die Straße. Das hat zur Folge, dass man die 60 Zusatz-PS, die der „Scirocco R“ bieten würde, nicht wirklich vermisst. So lange es keinen Allrad-Scirocco gibt, bietet der "GTS" gewissermaßen ein "genug des Guten". 

Das Retro-Dreigestirn

Leider müssen wir den Highway wieder verlassen – es ruft die Pflicht und damit leider auch der Münchner Feierabendverkehr. Immerhin: auch im ungeliebten Stop-and-go lässt sich der Scirocco im Comfort-Modus ganz entspannt navigieren. Das geht natürlich auch beim entspannten Cruisen zum sonntäglichen Ausflug ganz prima. Positiver Nebeneffekt: Ist man nicht im Krawallo-Modus unterwegs, bleibt der Verbrauch im Schnitt unter 6,5 Litern. 

 

Etwas ärgerlich: der Abstandsmesser ist etwas übersensibel und mahnt auch bei zähflüssigem Verkehr im Stadtautobahn-Tunnel gerne mal ohne große Not Kurskorrekturen an. Das ist zwar anfangs irritierend, letztlich aber nicht wirklich schlimm. 

Innenansicht VW Scirocco GTS

Auch von Innen macht der Scirocco ordentlich was her. Besonderer Blickfang: die retroschicken Analog-Anzeigen, die laufend über Öltemperatur und Ladedruck informieren. Komplettiert wird das Dreigestirn durch eine Stoppuhr für exakte Messung der Rundenzeit. Das Dreispeichen-Lenkrad ist eine weitere, schöne GTI-Reminiszenz. Navi und Infotainment-System sind zwar nicht mehr ganz auf dem neusten Stand, tun aber wunderbar ihren Dienst.

Analoganzeigen VW Scirocco GTS
Dank des Anzeigen-Dreigestirns immer im Bilde

„Da ist ja richtig Platz!“

Übrigens fühle ich mich mit meinen 1,93 m bei der spritzigen Ausfahrt zu keiner Zeit beengt. Vorne bietet das schicke Coupé überraschend viel Beinfreiheit. Aber auch die „Hinterbänkler“ kommen besser weg, als zunächst gedacht. Dieses Platzangebot sich der Scirocco allerdings teuer erkauft: Er ist ein 4-Sitzer, daher dürfen auch nur 2 Passagiere auf die Rückbank. Die sitzen dann allerdings entsprechend bequem.

Der Ausstieg ist dann wieder eine andere Sache: der gerät mir etwas zur gymnastischen Übung. Daran dürfte man sich aber schnell gewöhnen. 

Kofferraum VW Scirocco GTS
Eine Ladekante für Gewichtheber

Der Gepäckraum bietet mit seinen 312 Litern immerhin Platz für das Nötigste (zum Beispiel 4 Kästen Bier), irritiert aber mit seiner enorm hohen Ladekante. Wer schwere Lasten laden will, muss schon etwas Muskelschmalz aufbringen. Ach ja: bei umgeklappter Rückbank lassen sich dann übrigens ganze 1.006 Liter unterbringen. 

Leistungsdaten VW Scirocco GTS

  • Max. Leistung: 162 kW (220 PS)
  • Max. Drehmoment: 350 Nm
  • Höchstgeschwindigkeit: 246 km/h
  • 0-100 km/h: 6,5 Sekunden
  • Emissionsklasse                  : Euro 6
  • Umweltzone: 4 (grün)
  • Getriebe: 6-Gang-Schaltgetriebe
  • Antriebsart: Vorderrad
  • Kraftstoffart: Superbenzin
  • Verbrauch innerorts: 7,6
  • Verbrauch außerorts: 5,3
  • Verbrauch kombiniert: 6,1
  • Anzahl der Türen: 2
  • Länge: 4,25 m
  • Breite: 1,81 m
  • Höhe: 1,40 m
  • Kofferraumvolumen: 312 Liter
  • Leergewicht: 1.369 kg
  • Preis: Ab 31.425,00 €
VW Scirocco GTS

Fazit zum Scirocco GTS: lohnt sich der Kauf?

Der Scirocco sammelt im Test viele Pluspunkte. Und auch seine angeblichen Makel sind bei näherer Betrachtung keine echten „Dealbreaker“. Aber klar: Wer den Autokauf rein rational angeht, der dürfte sich beim Golf GTI besser aufgehoben fühlen. Der Klassiker bietet ohne Zweifel das „rundere“ Gesamtpaket. Dafür hat der Scirocco aber den Coolness-Faktor ganz klar auf seiner Seite. Und den, soviel ist klar, kann man nicht rein „verkopft“ von eins bis zehn bewerten. Man muss ihn erleben. Aber auch der Kopfmensch darf sich trösten: Im Vergleich zum Scirocco R ist der GTS die kostengünstigere und – ja – vernünftigere Alternative. Fest steht: Für einen Kompakten ist der Scirocco schon ziemlich „Porno“. 

Hier geht es zu unserem Video-Fahrbericht: