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Die chinesische und russische Fahne zusammengesetzt.
Die chinesische und russische Fahne zusammengesetzt.
China profitiert von russischem Embargo
Die chinesische und russische Fahne zusammengesetzt.
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China profitiert von russischem Embargo

China hat die Chance durch die Ukraine Krise seine Weltmachtstellung in landwirtschaftlichen Gütern weiter auszubauen. Auch deutsche Unternehmer fürchten einen Verlust ihrer russischen Kunden.

Russland hat als Reaktion auf die Sanktionen der EU ein Importstopp für europäisches Obst und Gemüse verhängt. China ist nun bestrebt die fehlenden Waren aus der EU in Russland auszugleichen. Fakt ist, dass China einer der größten Agrarproduzenten weltweit ist und die Hälfte des weltweit verzehrten Gemüses und ein Drittel aller Früchte herstellt. Diese Stellung kann China in der aktuellen Ukraine Krise weiter ausbauen.

China bestens vorbereitet

Chinesische Branchenexperten schätzen, dass Russland in diesem Jahr rund 700.000 Tonnen mehr Obst abnimmt als im Vorjahr. Chinas Landwirtschaft kalkulierte diesen Umstand bereits ab April 2014 in seine Produktion mit ein. Je nachdem wie lange diese Sanktionen andauern, könnte das die EU-Mitgliedsstaaten rund 16 Milliarden US-Dollar kosten. Das spüren einige Mitgliedsstaaten bereits jetzt deutlich. Nicht nur Deutschland und Polen verlieren mit Russland einen wichtigen Handelspartner, auch sämtliche baltische Staaten wie Litauen, Lettland und Estland leiden unter den Sanktionen. 700.000 Tonnen Äpfel stehen in Polen nach der Ernte bereit, um exportiert zu werden.

Dauerhafte Folgen für wirtschaftliche Beziehungen

Dieser Zustand könnte der Startschuss für eine dauerhafte wirtschaftliche Verbindung sein, denn China plant ein spezielles Logistikzentrum an der Grenze zum Fernen Osten Russlands speziell für den Export einzurichten. Dies kann als Zeichen gewertet werden, dass die komplette Infrastruktur zwischen China und Russland ausgebaut werden soll. Denn der größte Bremsfaktor in dem Exportgeschäft zwischen China und Russland sind die fehlenden Transportwege vor allem auf russischer Seite. Wird diese fehlende Infrastruktur vor allem von russischer Seite ausgebaut, sinkt die Wahrscheinlichkeit diese Handelsbeziehung wieder aufzulösen.

Russland führt das Wort "Aggressorland" ein

So wird aktuell in Russland ein Gesetzentwurf vorbereitet, der den Begriff "Aggressorland" einführen soll. Zu den "Aggressorländern" zählen jene, die Sanktionen gegen Russland verhängt haben. Das Gesetz würde der Regierung erlauben, Maßnahmen gegen Unternehmen zu beschließen, die im "Aggressorland" registriert und in Russland tätig sind. Damit soll das Gesetz unter anderem den Einfluss ausländischer Beratungsfirmen wie McKinsey oder Ernst & Young beschränken. Dies könnte die Arbeitsbedingungen für ausländische Firmen in Russland erheblich erschweren.

Nicht nur amerikanische Unternehmen fürchten die russischen Sanktionen vor Ort, auch deutsche Unternehmer in Russland, befürchten, dass sich nun russische Kunden stärker chinesischen Produkten zuwenden könnten. Somit verschieben sich wirtschaftliche Beziehungen in unkalkulierbare Richtungen für einen nicht einschätzbarer Zeitraum. Tritt dies ein, ist der Markt für deutsche Hersteller für Jahre verloren. "Sie brauchen zehn Jahre, um einen Kunden zurückzugewinnen", sagt ein deutscher Manager in Moskau, "und Sie schaffen es letztlich nicht durch bessere Qualität, sondern nur über einen günstigeren Preis".